Goldkäfer, so nennt man an der Wall Street liebevoll Anleger, die auf Gold setzen. Doch die Goldkäfer erleben einen enttäuschenden Sommer. Seit Wochen sinkt der Preis für das Edelmetall. Derzeit steht er bei 1.090 Dollar die Feinunze. Das ist ein Einbruch von 40 Prozent gegenüber dem Allzeithoch vor vier Jahren. Der damalige Krisensommer ließ die Investoren ganz traditionell Schutz beim Gold suchen. Derzeit bleibt die Flucht ins Gold jedoch aus, und das obwohl es keinen Mangel an Gefahren gibt – die nach wie vor wackelige Lage in Europa, der Börsencrash in China oder auch Puerto Ricos drohende Zahlungsunfähigkeit.

Goldbären, also die Anleger, die gegen Gold wetten, erklären das ungewöhnliche Verhalten mit der allgemein erwarteten Zinserhöhung der US-Notenbank. Gold mag glänzen, aber es wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Angesichts der Nullzinspolitik der Notenbanken war das für Anleger in den vergangenen Jahren zu verschmerzen. Mit steigenden Zinsen wird dieser Nachteil des Edelmetalls jedoch wieder relevant.

Eine weitere Erklärung verweist auf den Dollarkurs. Gold wird wie fast alle Rohstoffe in der amerikanischen Währung gehandelt. Diese ist im Verhältnis zu anderen Währungen zuletzt kräftig im Wert gestiegen. Das macht Gold für Käufer aus anderen Regionen der Welt teurer.

Schwer enttäuschte Goldkäfer munkeln gar von einer Verschwörung, auch weil Hedgefonds angeblich mit viel Geld auf einen weiteren Preisverfall wetten. Geschürt wurden diese Gerüchte, als kürzlich fünf Tonnen Gold binnen zwei Minuten auf den Markt geworfen wurden. Normalerweise wechseln an einem ganzen Handelstag nur etwa 25 Tonnen den Besitzer.

Oder verändert sich etwa die grundsätzliche Bedeutung des Goldes? Es gibt Stimmen, die sagen, das Edelmetall verliere seinen Nutzen als Absicherung von Anlageportfolios. Fondsmanager haben heute viel mehr Möglichkeiten, durch Derivate und anderes ihr Risiko zu mindern. Gold erscheint da so archaisch wie die Suche der Spanier nach dem legendären Eldorado. Schon machen Slogans vom "Tod des Goldes" die Runde. Just dieser Tage verkündete zum Beispiel die deutsche Bank Sal. Oppenheim, Gold genau wegen solcher Überlegungen komplett aus ihren Portfolios zu verbannen.