Nicht nur Wall-Street-Vertreter klopften bei Fink an. Bald kamen Anrufe von der US-Notenbank, selbst US-Finanzminister Tim Geithner verkehrte regelmäßig mit dem BlackRock-Chef – per Vornamen. Das Unternehmen erhielt Aufträge von fast allen großen Zentralbanken der Euro-Zone, um die Bilanzen der ihnen unterstellten Kreditinstitute zu prüfen. Dabei profitierte BlackRock davon, dass es – anders als die Konkurrenz wie Goldman Sachs – einen sauberen Ruf genoss. Während kein Politiker oder Zentralbanker mehr öffentlich mit Bankern auf Du und Du stehen wollte, galten Fink und seine Truppe als Vertreter der Anlegerseite, quasi als Verbündete. Die "Guten" der Branche zu sein, das propagieren BlackRocks Vertreter nach Kräften. Bis heute geht Fink auf Distanz zur Bankenwelt: "Wir sind nicht Wall Street", sagte er in einem Interview.

Gleichzeitig profitiert das Unternehmen vom Rückzug der Banken aus vielen Geschäften. Zum einen zwangen Verluste und Abschreibungen die Finanzinstitute zur Schrumpfkur. Zum anderen sahen sich die Banker nach dem großen Knall strikteren Regeln gegenüber. Sie müssen nun mehr eigenes Kapital vorhalten als früher und dürfen nicht mehr so viel spekulieren. Während die Banken Hunderttausende Jobs strichen und Bereiche abstießen, ging Fink auf Einkaufstour.

2009 übernahm BlackRock den Fondsanbieter BGI von der britischen Barclays Bank. So wurde das Unternehmen über Nacht zum führenden Anbieter von sogenannten exchange-traded funds, zu Deutsch: börsennotierten Indexfonds. Diese ETFs investieren in Unternehmen eines ausgewählten Index – einem Wertpapierkorb aus Aktien oder Anleihen. Weil sie keinen Fondsmanager brauchen, ermöglichen sie es Kleinanlegern, sich ohne große Kosten an einer Vielzahl von Unternehmen zu beteiligen. An der Wall Street gelten sie als eines der wenigen boomenden Geschäfte: In knapp einem Jahrzehnt sind 2,7 Billionen Dollar in die neuartigen Fonds geflossen, eine Billion davon in BlackRocks ETF-Sparte.

BlackRocks schiere Größe macht das Unternehmen zur Ausnahmeerscheinung. Aber das Wachstum der Firma ist auch Teil eines Trends. Während sich Öffentlichkeit, Politiker und Aufseher nach der Krise darauf konzentrierten, die Banken zu bändigen, wuchsen die Finanzinstitute jenseits des klassischen Bankensektors, Schattenbanken wie BlackRock. Das Financial Stability Board (FSB), ein Gremium der 20 größten Wirtschaftsnationen, das nach der Katastrophe von 2008 gegründet wurde, definiert sie als Formen der "Kreditvermittlung, die außerhalb des regulären Bankensystems stattfinden". Sie unterliegen nicht den Regeln von Banken, die Zugang zur Zentralbank haben und Spareinlagen annehmen dürfen, für die eine staatliche Einlagensicherung geradesteht; die aber auch strenge Vorschriften erfüllen müssen.

Schattenbanken sind eine andere Quelle für Kapital. Hedgefonds zum Beispiel können Kredite gewähren oder für Unternehmen Anleihen begeben, die sich viele Gläubiger, die Anleihekäufer, teilen. Auch BlackRock-Fonds, die solche Anleihen halten, gehören zum Schattenbanksektor.

Das Kapital in Schattenbanken umfasst heute FSB-Berechnungen zufolge 75 Billionen Dollar. Der Betrag entspricht 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das die in der FSB-Statistik erfassten Länder erwirtschaften. Von 2008 bis 2014 fiel der Anteil der klassischen Banken am Finanzgeschäft von 49 auf nur noch 45 Prozent. In den USA umfasste die dunkle Seite des Kapitalmarktes 2013 mit 25 Billionen Dollar sogar 5 Billionen mehr als der traditionelle Bankensektor. Ein Trend, der sich angesichts des Rückzugs der Banken verschärfen dürfte.

Das Gefährliche daran ist, dass das Finanzsystem weniger kontrollierbar wird. Schattenbanken sind nicht einmal für Aufseher immer sofort als solche zu erkennen. So galten Geldmarktfonds – Investmentfonds, die nur in kurzfristigen und sehr liquiden Wertpapieren anlegen – vor der Krise als bessere Sparkonten für Großanleger, als langweilig und sicher. Das änderte sich, nachdem die Investmentbank Lehman Brothers 2008 pleitegegangen war. Weil er in Lehman-Papieren investiert war, ging auch ein großer Geldmarktfonds bankrott; andere gerieten ins Wanken. Das bedrohte die gesamte Wirtschaft. Denn es stellte sich heraus, dass die langweiligen Fonds eine entscheidende Rolle als Finanziers für Unternehmen in allen Branchen spielten. Derart brisant war der drohende Ausfall dieser billionenschweren Schattenbanken, dass er gar Konzerne wie General Electric in Finanzierungsnot gebracht hätte.

Kritiker wie Alt-Investor Icahn befürchten, dass sich ähnliche Kettenreaktionen auch in anderen Bereichen ereignen könnten. So etwa in dem auf hochgerechnet 1,5 Billionen Dollar angeschwollenen US-Markt für Unternehmensanleihen mit schlechtester Kreditbewertung. Seine Hauptkritik im TV-Duell mit Fink galt in diesem Zusammenhang den BlackRock-Anleihe-ETFs. BlackRock-Chef Fink sieht sich zu Unrecht am Pranger. "Total falsch" sei Icahns Warnung. Die ETFs trügen zur Transparenz des Marktes bei und machten ihn sicherer. Auch in Interviews besteht er regelmäßig darauf, kein Risiko für das Finanzsystem darzustellen. BlackRock lege lediglich das Geld seiner Kunden an.