Tatsächlich tragen Verluste bei den Anlagen BlackRocks die Investoren. Im Gegensatz zu Banken riskieren die Vermögensverwalter auch keine staatlich garantierten Einlagen. Und sie finanzieren anders als die Pleitebank Lehman nicht einen Großteil der Anlagen über Schulden.

Die neuen Herren des Geldes schüren dennoch Risiken für die Allgemeinheit. Denn Geldverwalter wie BlackRock wollen stets besser abschneiden als ihre Wettbewerber. Keiner will der Letzte sein, wenn es darum geht, verlustreiche Aktien abzustoßen. Das kann im ungünstigsten Fall zu einer Verkaufswelle führen, die sich verselbstständigt und die Preise der Wertpapiere einbrechen lässt. Wie bei den Hypothekenpapieren, wie bei den Geldmarktfonds. Auch ein angeschlagener Vermögensverwalter könnte einen solchen fire sale ausbrechen lassen. Weil er Anleihen, Aktien, Rohstoffe schnell abstoßen muss, wenn Investoren aus Angst ihr Geld zurückwollen. Das kann eine Kaskade von Verkäufen auslösen – vor allem, wenn ein großer Spieler wie BlackRock involviert ist. Ähnlich sieht es mit der Gefahr des Herdentriebs aus, die das Washingtoner Office of Financial Research konstatierte, eine Art Sturmwarnungsbehörde für die Finanzbranche. Dieser Trieb lasse alle in die gleiche Richtung rennen, weil sie die gleichen Anlagen haben wollten, was Preise in die Höhe treiben und Spekulationsblasen aufpumpen könnte.

BlackRock will davon nichts wissen. Gegenüber der ZEIT erklärt das Unternehmen, auflaufende Verluste und Schwankungen des Marktes könnten nicht automatisch zu einem Massenrückzug von Anlegern und einem fire sale führen. Doch selbst die Investorenlegende Bill Gross, jahrzehntelang an der Spitze des BlackRock-Rivalen Pimco, warnte kürzlich in einem Brief an Investoren, neue Regeln hätten die Banken zwar sicherer gemacht, aber die Risiken seien in einen anderen Teil des Finanzsystems gewandert. Und Schattenbanken müssten im Gegensatz zu Banken nicht einmal Reserven für Notfälle bereithalten.

Auch viele Regulierer sind nervös. Eine der wenigen konkreteren Überlegungen besteht darin, große Vermögensverwalter wie BlackRock als "relevant für das Finanzsystem" einzustufen. Die Konzerne wären dann mit einer Art Gefahrenaufkleber versehen und besonderer Aufsicht unterworfen. Dagegen hat BlackRock schnell seine Lobbyisten mobilgemacht. Inzwischen scheint der Vorschlag nicht nur in Washington, sondern auch beim FSB vom Tisch zu sein. BlackRock erklärte auf Anfrage der ZEIT , um eine Systemkrise zu verhindern, sei ein Regulierungsansatz, der sich auf einzelne Anlageprodukte beziehe, besser geeignet als die Regulierung einzelner Unternehmen.

Als vor fast sieben Jahren die Hypothekenkrise im Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers gipfelte, schien das der Höhepunkt und gleichzeitig das Ende der Dominanz des angelsächsischen Finanzkapitalismus. Doch der Aufstieg BlackRocks macht klar, dass es lediglich der Beginn eines neuen Kapitels war.