E-Klausur in Statistik an einer Uni im Norden Deutschlands: Schummeln ist unmöglich, Durchfallen nicht.

In den Ferien besuchen ZEIT-Autoren wichtige Orte der Hochschulen. Vorlesungen des letzten Semesters gibt es unter www.zeit.de/hoersaal

13.15 Uhr – in einer Viertelstunde geht es los. Der Student Bariş wartet vor der Tür. Statistikklausur, vierter Versuch, allerletzte Chance. 90 Minuten, die darüber entscheiden, ob das Studium umsonst war. Bariş murmelt: "Augen zu und durch."

"Siebklausur" nennen sie die Prüfung hier an der Uni in Norddeutschland. Wer als Journalistin dabei sein will, muss den Prüflingen Anonymität versprechen. Bücherweise Stoff für elf Aufgaben, die meisten am Computer. E-Klausuren haben etwas Unmenschliches. Es zählt nur das Ergebnis, der Rechenweg ist egal. Jeder bekommt andere Aufgaben, Schummeln ist unmöglich.

13.30 Uhr. Die Studenten rennen, um die besten Plätze zu ergattern. Acht Reihen, jeweils 14 Computer. Hinten scheint die Prüfung einfacher zu sein.

Erste Hürde ist die Prüfungsanleitung: "Zwei von elf Aufgaben sind auf Papier zu lösen. Blatt 2 bis 5 dienen als Konzeptpapier. Blatt 6 und 7 sind für die Lösungen der Aufgaben 10 und 11 vorgesehen – Blatt 6 ausschließlich für Aufgabe 10 und Blatt 7 für Aufgabe 11."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 34 vom 20.08.2015. Lesen Sie auch eine Geschichte über den Wissenschaftsstandort Dresden, der durch Pegida bedroht ist.

Im Kampf um die letzten Fragen an Tutoren zum Prozedere ist alles erlaubt. Bariş schnippt mit den Fingern, seine Kommilitonin, beide Hände winkend in der Luft, kommt vorher dran.

"Sie haben nur noch 5 Minuten", blitzt es in Rot rechts oben im Bildschirm. Kiefer mahlen Kaugummis, Hände massieren Schläfen. Um Punkt 15 Uhr schließt sich die E-Klausur automatisch, es ist vorbei.

Bariş kann wieder lächeln: "Ich glaube, es hat gereicht."