Bei der CDU haben sie sich etwas total Verrücktes ausgedacht: Sie wollen weiblicher werden. "Meine CDU 2017" heißt das Reformprogramm, das unter anderem vorsieht, innerhalb der kommenden fünf Jahre den Frauenanteil in der Partei auf 30 Prozent zu erhöhen.

Wenn das Ursula von der Leyen wüsste! Die Frau, die Posten am Kabinettstisch handhabt wie deutsche Urlauber ihre Handtücher am Strand: Noch bevor die Legislaturperiode beginnt, hat sie sich schon einen Platz reserviert. Erst den im Familien-, dann den im Arbeitsministerium, und nun gehört ihr der Bendlerblock. Sie hätte sich auch im Schloss Bellevue niedergelassen, aber da darf man keine eigenen Handtücher mitbringen, die werden dort gestellt.

Und wie wohl Julia Klöckner über die neue Lust an der Weiblichkeit in ihrer Partei denkt? Sie, die in Rheinland-Pfalz als ehemalige Weinkönigin und heutige Spitzenkandidatin für die Landtagswahl souverän mit freidemokratischen Knutschattacken umgehen kann. Oder Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlands, die so mancher bereits als Kanzlerkandidatin der Nach-Merkel-Ära handelt? Womit wir bei der Kanzlerin wären, CDU-Chefin und Enteierin jenes parteiinternen Herrenclubs, dessen Mitglieder sich einst zu Höherem berufen fühlten – bevor aus Kohls Mädchen der Busen der Macht wurde.

Nun kann man den Parteireformern zugutehalten, dass bei der CDU zwar ganz oben das Matriarchat herrscht, unten an der Basis aber die Männlichkeit dominiert. Das ist auch anderen aufgefallen, weshalb die Christdemokraten in Baden-Württemberg schon seit einiger Zeit das Projekt "Frauen im Fokus" betreiben. Nicht zu verwechseln mit Frau im Spiegel, Frau aktuell oder Bild der Frau, obwohl das Projekt ähnlich lahm ist wie die Themen in diesen Zeitschriften. Während Letztere Frauen als frisurenfanatische und diätsüchtige Wesen begreifen, deren Lebensinhalt es ist, Pfunde purzeln zu lassen und zugleich die acht besten Rezepte für Erdbeerkuchen nachzubacken, versucht sich die CDU krampfhaft in gendergerechter Modernität. Das klingt dann so: "Wir agieren auch politisch in der Lebenswirklichkeit der Menschen in Baden-Württemberg. Und Frauen sind hier nicht nur ein Teil, sondern sie gehören ganz selbstverständlich dazu." Wenn Angela Merkel das wüsste!