Deshalb hat die Bundesbank diese Woche auch darauf hingewiesen, dass solche Erleichterungen "ökonomisch ein Transfer" seien und "sich in ihrer Entlastungswirkung für den Transferempfänger und der Belastung der Transfergeber nicht von einer Minderung des Nominalwerts der Schulden" unterscheiden.

Mit anderen Worten: Die ganze Sache folgt dem Prinzip "Linke Tasche, rechte Tasche". Durch eine geeignete Kombination aus längeren Laufzeiten und niedrigeren Zinsen lässt sich jede gewünschte Reduzierung der Schuldenlast erreichen, ohne die Schulden selbst anzutasten. Wenn – im Extremfall – die Zinsen bei null liegen und die Laufzeit der Kredite unendlich ist, existieren Griechenlands Verbindlichkeiten nur noch auf dem Papier.

So weit wird es nicht kommen, aber auch im Bundesfinanzministerium fügt man sich offenbar ins Unvermeidliche. Gaben Schäubles Leute vor wenigen Wochen noch die Devise aus, dass auch ein indirekter Schuldenschnitt durch längere Laufzeiten grundsätzlich problematisch sei, so scheint nun alles nur noch eine Frage der Dosis zu sein. "Je substanzieller eine Schuldenerleichterung wäre", heißt es in einem Positionspapier des Ministeriums, "desto weniger würden die vom Europäischen Gerichtshof als Kriterien für zulässige Finanzhilfe genannten Voraussetzungen erfüllt sein."

Mit anderen Worten: Irgendwann wird aus einer zulässigen Schuldenerleichterung ein verbotener Schuldenschnitt – aber wann das der Fall ist, kann eigentlich niemand genau sagen. Die Formulierung aus dem Ministerium lässt jedenfalls genug Spielraum für Vereinbarungen aller Art. Die durchschnittliche Laufzeit der bisherigen Darlehen liegt bei etwas mehr als dreißig Jahren, im Gespräch ist jetzt eine Verdoppelung auf sechzig Jahre. Damit dürfte sich auch der IWF zufriedengeben, wenn im Herbst über das Thema verhandelt wird.

Manchmal muss man nur lange genug über Probleme reden, dann verschwinden sie von selbst.