Der Politiker als Sportsfreund, Fan oder auch nur Sportlerdarsteller – das ist ein weites, sehr weites Grün!

Natürlich, für fürstliche Staatsorgane gehört dergleichen traditionell dazu. Philipp von Spanien unter Segeln, Albert von Monaco im Bob durch den Eiskanal, der Papst beim Heiligsprechen: Diese Bilder werden immer wieder gern gedruckt.

Doch auch die Helden der Republik lieben, ja verehren den Sport, besonders wenn Kameras dabei sind. Da sehen wir unsere Kanzlerin auf der Tribüne, wie wir sie auf keinem Parteitag je erleben durften: die Faust keck in den Himmel gereckt. Unvergessen auch – in bester Mao-Tradition – die Bilder vom schwimmenden Weizsäcker, elegant dem Sportabzeichen hinterherhechtend oder -makrelend, ein wahres Silberfischchen. Helmut Schmidt hart am Wind, von der Leyen hoch zu Ross, Scharping auf dem Rad, kleines, dickes Fischer im Kickerleibchen. Und Adenauer selig! Als Boccia-Crack in Cadenabbia am Comer See. Nun ja, immerhin, er kam nicht ins Schwitzen.

Denn das ist zweifellos das besonders Schöne am Golf wie sonst nur beim Schach und beim Billard: keine schweißüberströmten Gesichter, keine verzerrten Züge.

Alles nur, wenn es denn gelingt, bella figura. Ganz leicht aus Handgelenk und Hüfte heraus. Es sei denn, man heißt Gerhard "Acker" Schröder und macht sich über den Ball her wie ein entfesselter Kleingärtner, der einen Maulwurf jagt.

Regieren als Golfspiel, cool, charmant, entschlossen. Mit Mut zum Bluff, wie in jedem Sport. Che Guevara und Fidel Castro Anfang der Sechziger unter Palmen: eine kleine humoristische Kundgebung nur, als Wink an Uncle Sam gedacht, schließlich blieb echtes Golf unter echten Weltrevolutionären tabu. Allerdings nicht für Che: Er gewann das Spiel.

Politik ist ja immer Improvisation, souveräne Reaktion, da heißt es, die glückliche Chance zu erkennen und die tödliche Gefahr zu ignorieren. Vielleicht klingelte just in dem Augenblick, als Richard Nixon und Entertainer Bob Hope im Weißen Haus einlochten, irgendein rotes Telefon. Schon möglich. Doch Nixon ging einfach nicht dran, und der atomare Weltuntergang blieb aus. So friedensstiftend ist Golf, besser als alle Olympischen Spiele.

Auch Ronald Reagan, Nixons späterer Nachfolger im mächtigsten Amt der Welt, demonstrierte gern mit Golf Gelassenheit. Statt Star Wars eine kleine Runde in der Air Force One. Wenn das die Russen gesehen hätten, sie hätten die Sowjetunion noch viel früher dichtgemacht.

Aber die schönsten Golfbilder kommen natürlich aus England. Margaret Thatcher und ihr Gemahl Denis beim Spiel. Tatsächlich, es ist eine Sensation: Er darf auch mal! Er darf auch mal den Schläger halten unter dem strengen, mühsam amüsierten Blick der Herrin. Man braucht eigentlich nur dieses eine Foto zu betrachten, um zu begreifen, wieso Thatcher mehr als ein Jahrzehnt lang das Land fest in der Golftasche hatte. Und warum die Engländer sie bis heute lieben und hassen.

Kein Hass, wohl eine gewisse Bitternis spricht aus dem Blick von Thatchers Chefin. Offenbar sehr gegen ihren königlichen Willen wird Elisabeth II. in einem Golfcart kutschiert. Sieht fast aus wie eine Charrette, einer dieser Karren, auf denen man im Paris der Revolution die Verurteilten zur Guillotine fuhr. Doch nein, so enthemmt kann nur die Politik – und niemals das Golfspiel sein!