Die wichtigste Band seines Leben hätte er beinah verpasst, weil er betrunken war. Die Erinnerung war weg und damit die Chance auf das ganz große Ding. Beim Volksstimme-Fest schaute sich Stefan Redelsteiner ein paar Musiker an und trank Bier. Viel Bier. Eine Bekannte schwärmte von dieser fantastischen Band, die so gut auf sein Label passen würde, es klang überzeugend – aber der Alkohol schwemmte diesen Teil des Abends aus seinem Kopf. Und dann hatte Redelsteiner einfach Glück.

Damals, 2013, war Stefan Redelsteiner der Boss von Problembär Records, einer Fundgrube für Nerds mit Vorliebe für handgemachte Musik abseits des Mainstreams. Heute ist er der Manager dieser Band, die tatsächlich gut auf sein Label passte: Wanda. Die fünf Wiener haben mit ihrem Strizzi-Rock einen ungeheuren Hype entfacht.

Vom Debütalbum Amore wurden 45.000 Stück verkauft, absoluter Rekord für eine Band, hinter der keine große Plattenfirma steht. Bei den Amadeus-Awards 2015 heimsten Wanda zwei Preise ein, ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft. Die Feuilletons von FAZ bis SZ hyperventilierten, der Musikexpress bezeichnete sie gar als "letzte wichtige Rockband unserer Generation". Auf dem Cover schleckte Sänger Marco Wanda ein Eis mit Tschick, die Schlagzeile: Die Austropop-Sensation .

Stefan Redelsteiner verdreht die Augen, wenn er das hört. Und er hört diese Geschichte oft, seit er mit Problembär Records Musiker bekannt gemacht hat, die im Wiener Dialekt singen: Der Austropop sei wieder da, und er habe ihn zurückgebracht. "Das ist ein großes Missverständnis", sagt Redelsteiner in seinem breiten Wienerisch und beugt seinen untrainierten Studentenkörper nach vorn. "Austropop hat mir nie etwas bedeutet."

Redelsteiner wurde 1982 geboren, hinein in eine Zeit, in der Austropop sich bereits erschöpft hatte. "Das war nur noch Schanigarten- und Schnitzelfresser-Musik." Das wiederbeleben? Sicher nicht. "Ich wollte etwas Poetisches machen, wie Bob Dylan." Das gehe gar nicht auf Deutsch, dachte er – bis er sein Label gründete und unabsichtlich zu einem Aushängeschild der deutschsprachigen Musik in Österreich machte.

Den Musikgeschmack kann man Redelsteiner an der Brust ablesen. Zu schwarzen Skinny Jeans, grauen Sneakers und Nerdbrille trägt er ein T-Shirt mit dem Schriftzug von Oasis, den englischen Rotzlöffeln mit Hang zur Pose und eingängigen Gitarrenmelodien. Das Vereinigte Königreich hält Redelsteiner für den Nabel der Popwelt, seit er mit acht Jahren die Beatles entdeckt hat. Da waren die Eltern frisch geschieden, und in der Junggesellenbude seines Vaters befand sich nicht viel mehr als ein Plattenspieler und die Greatest Hits der Fab Four. "Das war ein Erweckungserlebnis." Die Liebe hält, noch heute sammelt er alles, was er von den Beatles in die Hände kriegen kann, Live-Mitschnitte, obskure B-Seiten, vor allem von Paul McCartney. Die meisten Fans bevorzugen John Lennon, Redelsteiner schwimmt aus Prinzip gegen den Strom: "Paul ist die Möglichkeit, innerhalb der Beatles-Community der Punk zu sein."