Auch ich habe diese angebliche Weisheit einmal in dieser Kolumne nachgeplappert, als es um die Frage ging, ob man frühstücken solle "wie ein Kaiser" (ZEIT Nr. 4/11). Die erste Frage ist: Was heißt "besser"? Wenn dieser Tipp gegeben wird, geht es meistens um Gewichtsverlust. Aber es werden auch noch andere Vorteile einer Knabber-Diät angeführt, etwa dass sie für niedrigere Blutzuckerwerte sorge. Wissenschaftlich haltbar ist beides nicht.

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Wieso soll man schneller abnehmen, wenn man dieselbe Nahrungsmenge auf viele Portionen verteilt? Oft wird behauptet, der energetische Grundumsatz werde durch das ständige Essen angekurbelt – das hieße, der Körper würde mehr Energie verbrauchen und daher schneller abnehmen. Bei drei Mahlzeiten dagegen käme er zwischendurch zur Ruhe. Aber das ist reine Fantasie. Die Sache ist mehrmals wissenschaftlich untersucht worden. Etwa in einer Studie, die Forscher der University of Ottawa 2010 im British Journal of Nutrition veröffentlichten: 16 übergewichtige Patienten wurden auf die gleiche magere Diät gesetzt, die eine Hälfte bekam drei Mahlzeiten, die andere sechs. Nach acht Wochen hatten alle kräftig an Gewicht verloren, aber zwischen den beiden Gruppen war kein Unterschied auszumachen. Auch der Spiegel des appetitanregenden Hormons Ghrelin war bei beiden Gruppen etwa gleich. Fazit: Es kommt auf die Kalorienmenge an und nicht auf die Frequenz der Mahlzeiten.

Und wie sieht es mit dem Blutzucker aus? Diese Frage haben Forscher der Universität Maastricht untersucht (PLOS One, 2012). Sie kamen zu dem Ergebnis, dass der Blutzuckerspiegel in jener Gruppe, die drei Mahlzeiten aß, zwar mehr schwankte als bei einer anderen, die 14 Snacks pro Tag erhielt. Aber insgesamt hatten die mit den drei Mahlzeiten weniger Zucker im Blut. 

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