Die Szene: Die Referendarin Lisi Schnabelstedt (gespielt von Karoline Herfurth) kommt ins Klassenzimmer der 10B. Der Schüler Danger (Max von der Groeben) ruft: "Frau Schnabelspast." Die Schüler lachen und sind laut, daraufhin macht Frau Schnabelstedt ein Handzeichen: den Schweigefuchs, der die Schüler zur Ruhe bringen soll. Die Schülerin Chantal (Jella Haase) fragt: "Wie alt bist du überhaupt?" Schnabelstedt: "Wie fändest du die Idee, mich zu siezen?" Danger: "Wie fänden Sie die Idee, mir einen zu blasen?"

Die Experten:

Ingo Jungclaussen, Psychologie-Dozent an der Uni Köln, der die Idee hatte, den Film als Lehrmaterial zu benutzen: "Die Szene kann man mit der Transaktionsanalyse erarbeiten, die zwischen Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich unterscheidet: Schnabelstedt spricht mit dem Eltern-Ich zum Kind-Ich. Chantal will aber nicht als Kind angesprochen werden und duzt daraufhin die Lehrerin. Die Kommunikation findet nicht auf einer Ebene statt – und scheitert."

Ellen Aschermann, Professorin für Pädagogische Psychologie in Köln: "Das gehört ins Classroom Management: Jungen Lehrern passiert es oft, dass sie geduzt werden. Aber sie müssen klären: Wie will ich wahrgenommen werden, und welche Regeln sind wichtig?"

Jonas Ohlmeier, 26, studiert in Dortmund Sport und Englisch auf Lehramt: "Die Horrorvorstellung für jeden Lehrer! Du kommst in eine Klasse, und die Schüler verarschen dich. Der Schweigefuchs ist unangebracht, dafür sind die Schüler zu alt. Sie müsste Danger rausschmeißen für seinen Kommentar."

Nele Pajenkamp, 30, Referendarin an einer Bonner Gesamtschule: "Die Schüler sollen mich siezen, und ich sieze sie auch ab der 11. Klasse – selbst wenn es für sie ungewohnt ist. Aber das ist besser, zum Beispiel wenn man Gespräche über Noten führen muss."

Die Szene: Zeki Müller (Elyas M’Barek), der Aushilfslehrer aus dem Knast, steht vor einer leeren Klasse. Die Schüler sind draußen auf dem Schulhof. Müller sieht sie und greift nach seinem Paintball-Gewehr. Er ruft: "Unterricht hat angefangen!" Dann schießt er mit bunter Farbmunition auf die Schüler, trifft sie im Gesicht, am Körper. "In die Klasse, aber zackig!", schreit er. In der nächsten Szene sitzen die Schüler im Klassenzimmer. Müller sagt: "Damit wäre geklärt, wer hier das Kommando hat." Die Klasse ist still.

Die Experten:

Jonas Ohlmeier: "Die Methode ist fragwürdig. Aber ich glaube: In dieser Terrorklasse kommt man anders nicht weiter. Da würde keine der Theorien helfen, die ich in meinen Uni-Seminaren gelernt habe."

Ingo Jungclaussen: "Zeki Müller ist überfordert. In der Schulwelt ist das aber ein Tabuthema. Darüber sprechen wir mit den Studenten, und über den Umgang mit Leistungsverweigerung. Vor allem Referendare suchen den Fehler dafür bei sich. Dabei müssten sie oft einfach den Mut haben zu sagen: Ich kann das noch nicht. Erst wenn sie sich das eingestehen, können sie es lernen."

Ellen Aschermann: "Drakonische Strafen führen nicht zu preußischem Gehorsam. An der Szene kann man lernen, wie man mit Störungen im Unterricht umgeht. Der Psychologe Jacob Kounin hat in den siebziger Jahren bereits gezeigt, dass es wirksamer ist, wenn man Störungen präventiv vermeidet, und nicht erst dann handelt, wenn es Probleme gibt. Zeki Müller macht das also falsch."

Nele Pajenkamp: "Zeki Müller hat ganz recht: Man muss sich als Lehrer Respekt verschaffen. Den sollte man auch vor den Schülern haben. Müller hat keinen Respekt, das geht gar nicht. Ich schreie fast nie rum, sondern stelle mich vor die Klasse und warte. Meistens werden meine Schüler dann ruhig."