Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt der Dichter. Und mehr Anfang als heute war nie, fügen wir seinen Worten hinzu, nachdem am vergangenen Montag das sogenannte Transferfenster geschlossen wurde.

Der Belgier Kevin De Bruyne lässt Wolfsburg hinter sich und wechselt für 80 Millionen Euro zu Manchester City. Julian Draxler kehrt Schalke samt Gelsenkirchen den Rücken und fängt für eine Transfersumme von 35 Millionen in Wolfsburg neu an, neben dem Brasilianer Dante, der für vier Millionen aus München kommt.

Kehrt der Wuppertaler Spieler Gonzalo Castro, diese Frage stellte sich Anfang der Woche, der im Sommer erst für zehn Millionen nach Dortmund kam, für einen neuerlichen Neustart zu seinem alten Verein Leverkusen zurück? Mal abgesehen davon, dass Manchester United angeblich dem FC Barcelona für 230 Millionen Euro den Verkauf von Neymar schmackhaft machen will, steht der Wechsel von Ivan Perisic von Wolfsburg nach Mailand fest. Der Kroate fängt bei Inter an. Für den Neuen holt der Verein 20 Millionen aus der Kasse.

Während sich in diesen Tagen überall in Europa Profis bei Medizinchecks frei machen und kräftig ein- und ausatmen, ereifert sich Fußball-Deutschland über die grassierenden TV-Milliarden in der britischen Premier League.

Ist das noch fair? "Geld schießt Tore", dies hat doch schon der deutsche Philosoph Otto Rehhagel mahnend in die Mikrofone gesprochen. Dem widerspricht allerdings vehement ein Praktiker wie Jérôme Boateng, der als Spieler – früher Manchester City, heute Bayern München – oft nicht weit entfernt ist, wenn die Tore fallen. "Geld hat noch keine Titel gewonnen!"

Warum dann dieser Wechselwahn? Es wäre zu billig, mit dem Finger auf die Schar der Spielerberater zu zeigen, die ihre Schützlinge ("Fragen Sie meinen Berater!") gerne umgeben. Die Herren halten, was sollten sie auch sonst tun, den Betrieb wie auch sich selber am Laufen. Aber: Der Beruf ist – erstens – nicht verboten, und um ihn – zweitens – zu verdammen, reicht nicht aus, dass man selber gern ein erfolgreicher Berater wäre, selbst wenn der Mandant Kevin Großkreutz hieße.

Weltmeister Kevin, der eigentlich ohne Dortmund nicht kann, neuerdings aber auch nicht mit Dortmund, hat sich in buchstäblich letzter Sekunde für einen Neuanfang in der Türkei entschieden. Möglicherweise, so meldet der kicker gerade, hat Galatasaray Istanbul mit einer verspäteten Antwort von mindestens zwei Sekunden die Großkreutz-Idee vermasselt. Aber die Eckdaten stehen. Verkäufer Dortmund bekommt für den Mann nicht 84.356 Euro oder meinetwegen auch 213.102 Euro. Nein, der BVB heimst für Großkreutz zwei Millionen Euro ein. Ein schönes, rundes Sümmchen.

Es sind eigentlich durch die Bank nur runde Sümmchen, von denen in den vergangenen Tagen die Rede war. Als hätte sich der große Fußball einen neuen Ehrenkodex gegeben. Hinter dem Komma ist Schluss, da kommt nichts mehr. Eleganz, Weltläufigkeit statt spießig eingeräumter Skonti!

Horst "Schimmi" Szymaniak, Ruhrgebiet, ist ein großer Fußballspieler gewesen. Ein Held aufm Platz – "Ein Pilsken gibt einen flachen Schuß" –, der mit dem Ball viel anfangen konnte und mit Zahlen nur wenig.

Ein Drittel mehr Gage bot ihm sein Verein bei Gelegenheit, Schimmi lehnte ab, "mindestens ein Viertel" wollte er mehr.

Also, Fußball und einfache Summen – das hätte auch ihm gefallen.