Philipp ist Bühnentechniker und Vater zweier Söhne. Er ist charmant, witzig – und spielsüchtig. Sportwetten im Internet. Das ist viel zu lange unbemerkt geblieben, weswegen seine Frau, die namenlose Icherzählerin, nun ein Problem hat. Die Familie ist auf einmal hoch verschuldet, ihr Mann hat Verwandte und Nachbarn zu Gläubigern gemacht, die ihnen auf der Straße auflauern. Das Vertrauen ist zerstört, die Beziehung zerrüttet.

Um wieder zu sich selbst zu kommen, setzt sich die Hauptfigur hin und schreibt ein Buch – über die Männer in ihrem Leben. Es sind zwölf an der Zahl, sie versammelt sie in ihrem Manuskript wie Jesus die Apostel zum Abendmahl. Jedem einzelnen ist ein Kapitel gewidmet, und wer jetzt denkt, es handle sich um die Bettenbiografie einer modernen Erotomanin, könnte falscher nicht liegen. Es geht um viel mehr als Sex: Was hier mit existenzieller Schreibwucht entworfen wird, ist ein schillerndes Kaleidoskop der Liebe.

Die Autorin dieses so eigenwillig-grandiosen Romans heißt Monique Schwitter. Sie ist 1972 in Zürich geboren, hat Schauspiel und Regie studiert und lebt seit vielen Jahren in Hamburg, wo sie zwischen 2005 und 2010 am Deutschen Schauspielhaus engagiert war. Dort betrieb sie auch ihren eigenen literarischen Salon, den "Damensalon", wo sie einmal im Monat eines ihrer Lieblingsbücher vorstellte.

Eins im Andern ist nicht ihr erstes Buch, sie ist schon vorher durch ihre ungewöhnlichen Erzählungsbände (Wenn’s schneit beim Krokodil, Goldfischgedächtnis) und ihren Roman Ohren haben keine Lider aufgefallen. Ihr neues Werk aber erreicht dank seiner kompositorischen Finesse und seiner ins Surreale kippenden Fabulierlust eine neue Dimension – und landete prompt auf der Longlist des diesjährigen Buchpreises.

Auf dieser Bestenliste ist sie nicht die einzige Hamburgerin: Inger-Maria Mahlke, 1977 geboren, studierte Kriminologin, ist mit ihrem erstaunlichen historischen Roman Wie Ihr wollt über die Zeit der Regentschaft der englischen Königin Elisabeth I. auf der Liste vertreten.

Auch hier kommt eine Frau in die Bredouille. Mary Greys Mann Thomas Keyes, den sie heimlich und ohne die Einwilligung der Monarchin geheiratet hat, ist gestorben. Jetzt steht die kleinwüchsige Großnichte Heinrichs VIII. und Schwester der "Neuntagekönigin" Jane Grey unter Hausarrest, wo sie 1571 schreibend Zeugnis von ihrer ausweglosen Situation und den politischen Ränkespielen um sie herum ablegt.

Mahlkes Werk ist eine subtile, knochentrockene und äußerst witzig zu lesende Form der Rebellion. "Werde immer kindischer", notiert sie im für sie typischen Telegrammstil. "Schrumpfe, nicht äußerlich, nein, da ist es nicht schlimmer als sonst, mein Innerstes, was immer das ist, schrumpft. Wird immer kleiner, bis es in ihre Erwartungen passt."