Am 3. März 2015 hat sich die Talkshow "Hart aber fair" mit Geschlechterfragen befasst. Die Folge hieß "Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?" Am 21. August löschte der verantwortliche Sender, der WDR, die Sendung aus seiner Mediathek. Der Rundfunkrat des WDR fand, die Sendung und ihr Leiter Frank Plasberg seien dem Ernst des Themas nicht gewachsen gewesen. Am 7. September soll nun eine neue "Hart aber fair"-Sendung zum selben Thema und mit denselben Gästen stattfinden. Nachfolgend dokumentieren wir in gebotener Sachlichkeit ein frei erfundenes Gespräch, in dem Plasberg mit seinem Fernsehdirektor die Folgen dieser Entscheidung diskutiert. Wie wir an dieses brisante Material gekommen sind? Das wollen Sie doch gar nicht wissen, liebe Leser_Innen. Das Protokoll ist jedenfalls fast authentisch: Wir schwören, dass alles genau so stattgefunden haben könnte.

Frank Plasberg: Also, nur damit ich’s verstehe: Wir produzieren jetzt die Sendung neu, die wir vor zwei Wochen aus der Mediathek gelöscht haben?

Der Fernsehdirektor: Ja. Wir machen es wie im Theater: Wir führen das alte Stück noch mal auf, das wir im März gespielt haben, dieselbe Besetzung, dieselbe Bühne, dieselbe Konfliktlinie.

Plasberg: Wozu?

Direktor: Damals war März, jetzt ist September, viel Zeit ist verstrichen, wir sind alle reifer geworden. Du weißt ja: Man steigt nie zweimal in denselben Fluss.

Plasberg: Und wir machen alles wie im März?

Direktor: Alles wie im März. Nur besser.

Plasberg: (beleidigt) Aha. Kannst du das bitte genauer sagen?

Direktor: Wir machen es ... korrekter. Noch korrekter. Wir reden schließlich über Genderfragen in Deutschland und nicht über das Liebesleben in der Serengeti. Sag beispielsweise dem Kubicki, er soll nicht mehr so viele Sätze raushauen, in denen Tiere vorkommen. Ich will ganz konkret: weniger Hirsche.

Plasberg: Ich erinnere mich nicht. Hat er von Hirschen gesprochen?

Direktor: (hustet) Gut wär’ vielleicht auch, wenn er den Satz mit dem Rüden weglassen würde, der ohne Anleitung gelernt hat, wie ein Mann zu pinkeln. Und dass er daran den Unterschied zwischen Mann und Frau erkannt hat.

Plasberg: Der Rüde?

Direktor: Nein, Kubicki! Und er soll keinen Kommentar mehr zu Hofreiters Haaren machen. Und du! Frag du um Gottes willen den Hofreiter nicht mehr nach den Pralinen, die er in seiner Freizeit herstellt.

Plasberg: Was? Was war daran jetzt falsch?

Direktor: Alles! Ein kurzhaariger Moderator fragt einen langhaarigen Politiker nicht nach dessen Pralinen. Das ist ja pervers!

Plasberg: (eingeschüchtert) Also gut, also gut. Hofreiter hat übrigens sowieso abgesagt.

Direktor: Das hätt’ ich mir denken können. Sieht ihm ähnlich. Langhaarige Memme. Aber zurück zu dir: Sag nicht mehr Sachen wie "kleiner Unterschied" und "großer Krampf" im selben Satz. Halt deine Eingangsmoderation kurz! Nein: Lass sie ganz weg.

Plasberg: Wenn du meinst.

Direktor: Eins ist mir speziell aufgefallen.

Plasberg: Raus damit.

Direktor: Eine ganz leichte Unwucht in der Auswahl der Gäste.

Plasberg: Sag bloß.

Direktor: Zwei – die Wizorek und der Hofreiter – waren für Genderforschung und Gleichstellungspolitik und drei – die Kelle, die Thomalla und der Kubicki – waren dagegen. Und der Moderator ...

Plasberg: Aha, ich. Sprich weiter.