Vielleicht wolltest Du auch schon mal ein Eis holen, aber die Theke war so hoch, dass der Verkäufer sich zu Dir runterbeugen musste. Oder Du wolltest Deine Jacke aufhängen, aber der Haken war viel zu weit oben. Eisdielen und Garderobenständer scheinen für Erwachsene gemacht zu sein. Dabei essen Kinder wahrscheinlich noch viel lieber und noch viel mehr Eis als Eltern, Onkel oder Tanten. Und Jacken tragen sie natürlich auch.

Die Leute, die sich ausdenken, wie solche Dinge aussehen und wie groß und wie hoch sie sind, nennt man Designer. Viele Gegenstände, die sie machen, benutzt Ihr jeden Tag: den Esstisch in der Küche, den Toaster und die Zahnbürste. Gegenstände, die designt wurden, begegnen Euch aber auch überall in der Stadt: zum Beispiel die Rolltreppen im Einkaufszentrum, die Ampeln auf dem Weg zur Schule und das Wartehäuschen an der Bushaltestelle. Die Designer müssen immer darauf achten, dass die neuen Dinge am Ende genau das können, wozu sie gemacht sind.

Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt: Ein Garderobenständer sollte zum Beispiel so stabil sein, dass er nicht gleich unter der Last von ein paar dicken Winterjacken zusammenbricht, und seine Haken sollten so geformt sein, dass ein Mantel nicht sofort herunterrutscht. Im besten Fall sieht der Ständer dann auch noch gut aus. Und weil das schon ganz schön viele Anforderungen sind, vergessen die Designer manchmal, dass nicht nur Erwachsene ihre Produkte benutzen, sondern auch Kinder.

Anders ist das natürlich bei den Dingen, die extra und nur für Euch gemacht sind: Kinderbetten, Spielzeug, Sportgeräten. Oder bei Möbeln für die Schule.

Der Designer Konstantin Grcic hat vor drei Jahren einen neuen Stuhl für Schulen entworfen, auf dem mittlerweile viele Schüler sitzen. Wieso das nötig war, obwohl es längst Möbel für die Schule gibt? Grcic sagt: "Weil der Unterricht heute anders abläuft als früher – und die Schüler sind auch anders!"

Die allerersten Schulmöbel waren harte Holzbänke, die miteinander verbunden waren. Das Schreibpult war gleichzeitig die Lehne für die Kinder, die vor einem saßen. Als Vorbild für diese Schulbänke dienten Kirchenbänke. An ihren Pulten mussten die Schüler möglichst ruhig nebeneinandersitzen und immer aufspringen, wenn sie dran waren.

Heute steht der Lehrer nicht mehr dauernd nur vorne vor der Klasse und erzählt, während die Schüler zuhören. Es gibt stattdessen Gruppenarbeiten und Forscherstunden. Heute wissen Experten auch, dass es nicht gut ist, wenn Kinder stundenlang kerzengerade und still an ihren Pulten sitzen. Sie sollen sich zwischendurch lieber mal bewegen.

Konstantin Grcic überlegte sich also, wie sein Stuhl gemacht sein musste, damit er Kindern das ermöglicht. Er hat Schulen besucht, mit Kindern gesprochen und dem Schulstuhl am Ende eine runde Sitzfläche verpasst, auf die man sich auch verkehrt herum oder seitlich setzen kann. Die Schüler können sich auf dem Stuhl in alle Richtungen strecken und nach hinten recken, weil die Lehne stark geschwungen ist. Der Stuhl ist jetzt also wirklich nicht mehr nur zum Sitzen da, sondern auch zum Bewegen. Und das unterscheidet ihn von früheren Stühlen.

Noch einen Grund gab es, sich einen neuen Schulstuhl auszudenken: das Gewicht. Grcic sollte einen Stuhl entwerfen, auf dem Schüler es sich bequem machen können, den die Lehrer aber auch gut hochheben können. Außerdem sollte das Möbelstück für die Hausmeister schnell zu reparieren sein, falls es mal kaputtgeht.

Viele ältere Stühle seien schwer und massiv gewesen, sagt der Designer, weil man dachte, dass sie dann nicht so schnell kaputtzukriegen sind. Stimmt aber gar nicht! "Wenn ein Stuhl leicht ist, übersteht er es viel besser, wenn er mal umfällt." So können Schüler ihn dann auch besser auf die Tische stellen, damit darunter geputzt werden kann.

Also hat Grcic nach einem leichten Kunststoff gesucht, der richtig gut haltbar ist. Er hat ihn gefunden und damit sogar gleich noch ein Problem gelöst: Der Kunststoff lässt sich gut recyceln, wenn der Stuhl doch irgendwann mal wieder aus der Mode gekommen sein sollte. Denn auch darum geht es beim Designen: daran zu denken, dass die Dinge, die man gerade erst entwirft, in ein paar Jahren schon wieder veraltet sein können.