Wespen-Alarm

Die Wespe selbst war diesen Sommer noch das kleinste Übel. Sie ist doch auch nur ein Tier, das Aufmerksamkeit will. Vor allem, wenn andere essen. Es kommt bei Wespen halt weniger herzerweichend rüber als bei Dackeln.

Wirklich schlimm sind die Leute, die einen ständig vor den vermeintlichen Killerwespen bewahren wollen: "Achtung! Nicht bewegen!" Dachte man eben noch an Sahnetorte, glaubt man plötzlich, in einen Banküberfall geraten zu sein. Dabei ist es – ob Wespe oder Bankräuber – völlig egal, ob man nun kreischt und fuchtelt oder stumm die Luft anhält.

Erst neulich beim Picknick im Park: Hektische "Achtung!"-Rufe der Wespen-Warner. Die Gewarnte will alles richtig machen: springt erst kreischend auf, samt Fuchtelei, und hält dann ängstlich die Luft an. Geholfen hat beides nichts. Sie wurde kurz darauf gebissen. Von einem Dackel.

HANNA GRABBE

Capri-Hosen mit aufgenähten Taschen

Nichts auf der Welt spricht dafür, Hosen mit aufgenähten Seitentaschen zu tragen – es sei denn, man ist MacGyver und muss jederzeit damit rechnen, aus dem, was man gerade bei sich trägt, eine zeitgesteuerte Menschheitsretter-Kanone zu bauen. Es spricht auch nichts dafür, Hosen zu tragen, die den Unterschenkel nur halb bedecken. Wirklich nichts. Nicht mal MacGyver könnte sich das erlauben.

Die Kombination aus Caprihose und MacGyver-Aufnäher aber ergibt ein modisch schwer zu übertreffendes Problem. Neben dem Oberschenkel beulen sich die Seitentaschen aus, als lebten im Hosenbein kleine Kängurubabys. Auf dem Unterschenkel sprießt, oft bei weiblichen wie bei männlichen Caprihosenträgern, eine rauhaardackelgleiche Behaarung, die erst über dem knotigen Knöchel endet.

Da die Caprihose mit aufgenähten Taschen ihr angestammtes Biotop, den Schrebergarten, längst verlassen hat und hemmungslos auch durch die Innenstadt marodiert, ist anzunehmen, dass es sich bei ihr um ein postmaterialistisches Statement am Bein handelt: "Mach mal halblang." Oder: "Weniger ist mehr." Ist es? In jedem Fall ist es genug.

CHARLOTTE PARNACK

Ü-40-Longboard-Fahrer

Nein, das Skateboard wurde nicht für alte Säcke erfunden. Wer auf Brettern mit kleinen Rollen was ausrichten möchte, sollte dem Teenageralter nicht allzu sehr entwachsen sein.

Doch die spätkapitalistische Freizeitindustrie ist unbarmherzig, wenn es darum geht, den Best Agern falsche Bedürfnisse einzupflanzen. Daher ist seit geraumer Zeit das "Longboard" nicht mehr aus dem Straßenraum wegzudenken – ein Art Skateboard, das sich bloß zum gemächlichen Dahingleiten eignet, weshalb sich auch 45-jährige Agenturchefs damit auf den Weg zur Arbeit machen können. Im Herbst holpern sie dann über Kastanien und Laubknäuel. Hoffentlich tut das weh.

CHRISTOPH TWICKEL