Es ist wie ein Dominospiel, nur dass dabei Arbeitsplätze und Unternehmen, ja ganze Volkswirtschaften auf dem Spiel stehen. China wächst langsamer, dadurch sinkt dort die Nachfrage nach Rohstoffen und Importen. Das hat Rohstofflieferanten wie Brasilien, Russland und Australien in die Krise gestürzt. Kanada und Südafrika wackeln bereits, und auch Deutschland muss um seine Exportmärkte fürchten.

Nur eine Volkswirtschaft scheint bisher unberührt geblieben zu sein: die USA. Sieben Jahre nach der Finanzkrise stehen die Vereinigten Staaten gut da. Und selbst die Schulden, die Washington aufgetürmt hat, verschaffen dem Land Vorteile.

Während der Rest der Welt in den vergangenen Wochen zahlreiche alarmierende Nachrichten aus Shanghai und Shenzen verkraften musste, gab es in den USA den jüngsten Schwung guter Daten. Bisher waren die Schätzungen von einem Wachstum von 2,3 Prozent für das zweite Quartal 2015 ausgegangen. Tatsächlich wurden es sogar 3,7 Prozent. Zum Vergleich: Die EU schaffte im jüngsten Quartal gerade mal 0,3 Prozent.

Auch vom US-Arbeitsmarkt kommen positive Signale. Seit dem vergangenen Sommer schufen die Unternehmen im Schnitt rund 240.000 neue Stellen monatlich. "Wir haben seit 2010 mehr Jobs geschaffen als alle Industrieländer zusammen", triumphierte Präsident Obama bereits Anfang des Jahres. Der Immobilienmarkt, Auslöser der Krise 2008, brummt wieder. Und – fast noch wichtiger – die Amerikaner gewinnen ihren Optimismus zurück. Das Verbrauchervertrauen ist im August auf den zweithöchsten Stand seit der Rezession geklettert. Nicht einmal die Börsenachterbahn konnte die Stimmung trüben.

"Amerika hat eine Menge richtig gemacht", sagt Nariman Behravesh, Chefökonom beim Investmentberater IHS Global Insights. Jenseits der Schlagzeilen über den Dauerstreit in Washington kurbelten die Verantwortlichen in der Krise erst mit Milliardenprogrammen die Konjunktur an und räumten die Banken auf. Später stutzten sie dann die Staatsausgaben und reduzierten das Haushaltsdefizit. Europa – sieht man von Deutschland einmal ab – kämpft noch immer mit einer lahmenden Wirtschaft, schwächelnden Kreditinstituten und drückenden Staatsschulden.

Amerikas Stärken haben sich auch dieses Mal wieder bewährt. Das Land verfügt nach wie vor über den weltweit größten Binnenmarkt. Für Kleidung, Autos, Elektronik, Restaurantbesuche und Reisen geben amerikanische Konsumenten jährlich zwölf Billionen Dollar aus – und damit mehr, als die Chinesen im selben Zeitraum erwirtschaften. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt liegt derzeit bei zehn Billionen Dollar. Angesichts dieser geballten heimischen Nachfrage ist es kein Wunder, dass acht der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt, darunter Apple, Exxon, Google und Microsoft, in den USA zu Hause sind. Und das dürfte auch so bleiben. Das Wall Street Journal hat eine Liste der aussichtsreichsten 112 Start-ups zusammengestellt – 73 davon haben ihren Sitz in Kalifornien, New York oder Chicago. 27 stammen aus Asien. Nur zehn aus Europa.

Im Gegensatz zu Deutschland, dessen Exportanteil am Bruttoinlandsprodukt bei fast 50 Prozent liegt und dessen Wirtschaft deshalb empfindlich auf globale Nachfrageschwankungen reagiert, sind die Amerikaner mit einem Exportanteil von weniger als 15 Prozent relativ unberührt davon. Und während China immerhin der drittgrößte Importeur deutscher Güter ist, gehen nicht einmal zehn Prozent aller US-Exporte dorthin. Im Klartext: US-Konzerne sind bei Weitem nicht so betroffen von einer sinkenden chinesischen Nachfrage. Nach Kalkulationen der UBS würde die US-Wirtschaft selbst bei einem – sehr unwahrscheinlichen – Kollaps der chinesischen Wirtschaft nur ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts einbüßen. Auch wenn die US-Exportquote gestiegen sei, sagt Andreas Hoefert, Chefökonom bei UBS Wealth Management, spielten Exporte für die Amerikaner keine entscheidende Rolle. "Und Exporte nach China noch viel weniger."