Es wird Zeit aufzuräumen. Mit einem fatalen Irrtum, aufgrund dessen es an den Kreuzungen dieser Stadt immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern kommt.

Sie liefern sich in dem schmalen Raum, den die Autos lassen, einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Manchmal eskaliert die Lage, da fliegen Worte, Fäuste. Zu unterschiedlich ist das Rechtsempfinden.

Doch erst zur Ausgangssituation: Radfahrer A zischt auf dem Radweg neben dem Fußweg auf eine Kreuzung zu. Links von ihm ist die Straße. Dort steht eine Ampel. Für Fußgänger ist sie grün, Fußgänger B geht über die Straße und muss, um auf die andere Seite zu gelangen, auch den Radweg überqueren. Auf dem aber nähert sich Radfahrer A. Wer muss warten?

Na klar, der Fußgänger, denn er überquert doch den Radweg!

Nein, selbstverständlich der Radfahrer, schließlich gilt die Ampel auch für ihn!

Nicht leicht? Trösten Sie sich. Selbst Experten sind auf Anhieb unterschiedlicher Ansicht:

"Der Radfahrer muss anhalten", sagt Christian Schäfer vom ADAC.

"Der Fußgänger!", widerspricht Holger Vehren von der Polizeipressestelle.

Ist es da noch ein Wunder, dass es zwischen Radfahrern und Fußgängern verkehrstechnisch ständig drunter und drüber geht?

Hat jahrelanges Laisser-faire bei den Radlern dazu geführt, dass selbst Fachleute nicht mehr wissen, was richtig ist? Und heißt das nicht, dass, wer in der Großstadt überleben will, sein gefühltes Recht in die eigene Hand nehmen muss?

Der Autor hat also an der Ecke Osterstraße/Eppendorfer Weg sehr überzeugend Fußgänger B gespielt. Er hat einen rücksichtslosen Radfahrer, der selbstredend nicht daran dachte, für ihn zu bremsen, erst gezwungen, in die Außentische eines Restaurants zu rasen, und hat ihn dann nach Kräften belehrt.

Aber gerade in dem Moment, als der Rowdy Anstalten machte, sich zu entschuldigen, klingelte das Handy.

Christian Schäfer vom ADAC. Er habe sich jetzt das andere Foto der Kreuzung angesehen, das erste sei von der Perspektive schwierig gewesen, und habe mit dem Syndikus gesprochen. Und es sei so: Der Fußgänger müsse anhalten.

Wie bitte?, schrie der Autor.

Die Polizei habe recht, sagte Schäfer. Auf einem durchgehenden Radweg habe der Radfahrer Vorrang; Autoampeln links von sich müsse er nicht beachten. Er müsse also erst sechs Meter weiter direkt an der Querstraße stoppen.

An dieser Stelle begann der Autor, sich bei dem Radfahrer zu entschuldigen.

Seine Fassungslosigkeit teilten etliche Fußgänger. Die hatten hier zwar immer schon die Radfahrer vorgelassen. Aber nur aus Angst und gegen ihr Rechtsempfinden.

Ein gefährliches Missverständnis. Das sich allerdings entschärfen ließe. Mit zusätzlichen Radampeln vor dem kreuzenden Fußgängerüberweg.

Oh, das wäre unklug, sagt die Polizei. Denn dann wäre die Grünphase sehr kurz. Und das "würde sicherlich Unverständnis beim Radfahrenden hervorrufen".

Tja, liebe Fußgänger: sorry!