Von Brasilien aus kommt man schnell ins Nachbarland Venezuela. Das ist schön, aber dort hat man sofort ein Problem: Zahlen muss man in der Landeswährung Bolívar. Und das ist eine Wissenschaft für sich. Auf den ersten Blick ist die Sache so einfach wie überall sonst auf der Welt, wenn man per Kreditkarte zahlt. Zum Beispiel in einem der schicken Steakrestaurants, die Venezuela hat und die über erstklassige Kreditkartenlesegeräte verfügen. Bloß kann ein Essen für drei Personen, das 10.000 Bolívares kostet, dann schon mal im schlimmsten Fall mit gut 1.500 Dollar zu Buche schlagen. Die Regierung von Venezuela und ihre Staatsbanken gehen davon aus: Schon 6,3 Bolívares sind einen Dollar wert. Nicht umsonst heißt diese Währung in der Langform Bolívar Fuerte, also "starker Bolívar".

In der Praxis bezahlt fast niemand zu diesem Kurs. Die Inflation hat den wahren Wert des Bolívar über die Jahre erodieren lassen, und selbst die Regierung weiß: Die 6,3 : 1 sind völlig unrealistisch. Aber man schreibt es mal so hin. Zur allgemeinen Verwirrung trägt zusätzlich bei, dass es alternative gesetzliche Wechselkurse gibt. Je nach Zahlweise, je nach Zweck der Zahlung und der darauf anwendbaren Gesetzesvorschrift gibt es den Dollar auch im Verhältnis 10 : 1, 100 : 1 oder 200 : 1, völlig legal. Dann kostet Steak für drei vielleicht nur noch 50 Dollar.

Es geht aber noch weiter. Es gibt reiche Venezolaner und verzweifelte Importeure, die um jeden Preis in den Besitz der wertvollen Greenbacks kommen wollen. Die sind bereit, noch viel mehr zu zahlen als die staatlichen Raten. Wer nun in Venezuela auf dem Schwarzmarkt einen Wechsler findet, bekommt ungefähr den Kurs von Dolar Today. Auf dieser Website, die eine Gruppe Regimekritiker mit angeschlossener Wechselstube veröffentlicht, steht der Schwarzmarktkurs, den Leute zu zahlen bereit sind – die Regierung versucht sie denn auch immer mal wieder zu blockieren. Jüngst lag der Kurs dort bei rund 700 : 1. Sprich: Für einen 100-Dollar-Schein bekam man 70.000 Bolívares abzüglich der Kommission, und zwar in Klotzform: ganz große Scheine in dicken Paketen, gesichert mit einem Gummiband. Auf der Basis kostet Steak für drei nur noch 14 Dollar.

Aber Achtung: Natürlich ist das Risiko hoch, dabei kräftig übers Ohr gehauen zu werden. Wer kann schon bei einer Flüstertransaktion am Straßenrand dicke Bündel Geldscheine nachzählen?