Boah, 20 Jahre im Dienst, da wäre ja eigentlich eine goldene G-Shock fällig gewesen, so was trägt man doch im Hip-Hop. 1995 erschien das erste Album von Fettes Brot, Auf einem Auge blöd. Die Playlist zum Jubiläum haben Doktor Renz, König Boris und Björn Beton jetzt selbst veröffentlicht. Sie heißt Teenager vom Mars und ist ein Rap-Album, das keines ist.

Es ist viel mehr. Für den Titelsong hat man ausgiebig den Beastie Boys gelauscht, das Schlagzeug prescht durch die Takte und treibt die Stromgitarre vor sich her, danach ist man aufgewärmt für Mein Haus, eine leichtfüßige Disconummer, für die sich auch Daft Punk nicht schämen würden. Produziert haben sie alles selbst, aber: Ist das noch Hip-Hop? "Als wir anfingen, gab es in diesem Genre nur bestimmte Beats und Arrangements, und ohne Rap ging’s nicht", sagt Björn Beton. "Heute ist Hip-Hop vielschichtig, die Grenzen haben sich verwischt. Ich stöbere durch Plattenläden und höre mir alten Funk an. All diese Einflüsse weben wir in die Musik ein."

Inhaltlich präsentieren Fettes Brot Unterhaltung mit Haltung: In Eure Autos kanzeln sie den Fahrzeugwahn der Deutschen ab, Emmely ist ein Abgesang auf die Supermarktkassiererin Barbara Emme, die nach dreißig Jahren ihren Job verlor, weil sie zwei Pfandbons über 1,30 Euro für sich selbst eingelöst hatte. Heftig wird’s mit Alle hör’n jetzt Schlager – eine Klatsche für das junge Schlagerpublikum, "tatöwiert, Erkennungsmerkmal chinesische Zeichen, die übersetzt heißen, ›zu dämlich zum Scheißen‹". Huch! Woher dieser Missmut?

"Schlager hat so eine Fünfziger-Jahre-Gefälligkeit", sagt Björn Beton. "Dass jetzt so viele junge Leute diese Musik hören, kann ich nicht ertragen."

Seit ihrem ersten großen Hit Nordisch By Nature sind Fettes Brot so etwas wie Kulturattachés von Hamburg gegenüber dem Rest der Republik, und Hamburg ist ja eine gefällige Stadt – hat sie sich verändert? "Manchmal habe ich den Eindruck, sie ist zu einer Werbemaschine verkommen", sagt Beton. "Zum Beispiel die Olympischen Spiele: Was bleibt, wenn die Kamerateams und Sportler wieder weg sind? Keiner weiß es, aber trotzdem soll das ganz schnell entschieden werden."

Die drei sind Anfang 40, da mag man etwas besonnener sein. Hadern sie gelegentlich mit der Vergänglichkeit? "Wir haben das Album Teenager vom Mars genannt, weil wir uns immer noch fühlen wie Teenies und genauso viel Quatsch machen", sagt Herr Beton. "Meine Kinder sind neun und zwölf, die sind Fans unserer Musik. Kann sein, dass Papa irgendwann uncool ist, aber wer weiß, was für Musik wir in zehn Jahren machen?" Wir vermuten: gute.