Noch eins dieser Bücher, in denen Jugendliche im Freibad vom Sprungturm springen, aber was für eins: Es sind Sommerferien, man trifft sich jeden Tag im Dahlenberger, so der schöne Name des Schwimmbades und des Buches. Die Jungs springen also vom Turm, die Mädchen schauen zu, und alles könnte so schön sein, wenn nicht in diesem einen Sommer alles anders wäre. Als ob man ein Bonbon lutscht, an dem noch ein Aluminiumschnipsel klebt.

Jan, der Held und Ich-Erzähler, fühlt, dass dieser Sommer der letzte ist der alten Zeit. Eine Ahnung von Abschied, von Trauer und von Abgründen tut sich unterm Sprungturm auf, personifiziert durch diesen Fremden, der plötzlich im Dahlenberger auftaucht.

Wer ist der? Wer bin ich? Der junge Autor Florian Wacker schmiegt diese Fragen ein in die Szenen seiner Schwimmbad-Tage, die doch nichts weiter sein sollten als so öde und so aufregend wie immer. Nein, es gibt kein "wie immer" in diesem Buch, und sosehr man auch versucht, den Sprung vom Turm immer gleich gut hinzukriegen, man wird es nicht schaffen.

Florian Wacker breitet diese Welt so langsam und so lässig aus, dass man kaum merkt, wie man in die Tiefe stürzt, mitten ins Leben dieser Kindmenschen und in den Keller, in dem Jan und Klara ersten Sex versuchen. Das ist das Gegenteil von kitschig und auch was anderes als schön. "Hast du’s dir so vorgestellt?", fragt Klara. "Denke schon, ja", sagt Jan. Sie werden kein "wie immer" kennen, das ist längst klar, und ein "für immer" sowieso nicht.