Erste Annäherungen

Bei uns in der Nähe wird in wenigen Tagen ein Zeltdorf eröffnet. Wir beteiligen uns am Runden Tisch in unserer Gemeinde und in unserem Stadtteil und werden überlegen, welche Ressourcen unsere Schule hat. Wir möchten Flüchtlinge willkommen heißen und zugleich besonnen mit den Menschen, die kommen werden, den Weg gehen.

Schwester M. Beate Brandt, Oberin der Essener Augustiner Chorfrauen und Schwester M. Ulrike Michalski, Schulleiterin BMV-Schule Essen

Wer Platz hat, soll seine Tür öffnen

Die Aufnahme von Flüchtlingen ist bei uns seit dem vergangenen Jahr ein Thema. Wir haben entschieden, welche aufzunehmen. Seit einigen Monaten leben ein Iraner, ein Iraker und ein Syrer im Kirchenasyl bei uns. Sie sind auf unserem Klostergelände untergebracht und haben eigene Zimmer. Leider wird einer von ihnen in wenigen Tagen abgeschoben.

Gäste, die zu uns ins Kloster kommen, berichten von positiven Erfahrungen mit den Flüchtlingen. Wir würden gerne mehr Menschen aufnehmen, aber dafür fehlen uns die Räumlichkeiten. Für eine komplette Familie fehlt uns leider der Platz, daher sind unsere Kapazitäten mit drei, vier Kirchenasylanten erschöpft. Dabei sind allein heute wieder mehrere Anfragen bei uns eingetroffen.

Ich appelliere daher an andere Klöster, die den Platz haben: nehmt Flüchtlinge auf! Sicherlich ist es für Ordensleute nicht immer einfach, denn der Rhythmus im Kloster wird durcheinandergebracht. Doch nicht nur Mönche oder Ordensschwestern sind dazu aufgerufen, zu helfen. Auch christliche Familien überlegen, wie sie anpacken können. Ich spüre, dass da viel Bereitschaft ist. Die Initiative, die Papst Franziskus angestoßen hat, begrüße ich sehr. Viele Gemeinden werden jetzt wieder wachgerüttelt und zeigen, was Christsein heißt.

Bruder Benedikt Hülsmann, Benediktiner-Kloster Nütschau in Travenbrück

Alle Religionen sind willkommen

Ich komme gerade aus einer Sitzung unserer Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge, wo wir die Schritte besprechen, die jetzt anstehen. Wir sind mit dem Landratsamt in Verbindung, obwohl die Flüchtlinge, die wir betreuen wollen, keine Kontingentflüchtlinge sind. Wir prüfen gerade, welche unserer Gebäude, die auf dem Klostergelände stehen, für Flüchtlingsunterkünfte geeignet sind und welche Umbaumaßnahmen getätigt werden müssen. Wir hatten ein Gebäude ausgesucht, da hätten bis zu 50 Flüchtlinge Platz gehabt. Aber die Brandschutzauflagen des Landratsamtes hätten solche Kosten erzeugt, dass wir von diesem Ort nun Abstand nehmen mussten. Das hätte unseren finanziellen Rahmen gesprengt. In einer weiteren Wohnung, die jetzt frei wird, können wir bis zu zwölf Menschen unterbringen. Auch auf einem Bauernhof, der vom Kloster betrieben wird, können wir Platz schaffen. Im Mutterhaus ist kein Platz. Unsere Schwestern werden sich um die Flüchtlinge kümmern, sie auf Behördengänge und zum Arzt begleiten und ihnen Sprachunterricht erteilen. Kochen aber können sie in der Küche selbst, und das sollen sie auch, damit sie sich im normalen Leben bald zurechtfinden.

Wir unterscheiden nicht zwischen den Religionen der Flüchtlinge. Wir könnten uns sogar vorstellen, in einem Gebäude Platz für einen muslimischen Gebetsraum einzurichten. Von der Gemeinde oder vom Staat können wir keine finanzielle Zuwendung erwarten. Aber unser Bischof von der Diözese Rottenburg hat einen Etat bereitgestellt, aus dem wir schöpfen können.

Schwester M. Karin Weber, Generalassistentin der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, Untermarchtal

Eine Frage des Charismas

Für uns Salesianer gehört es zu unserem Charisma, im Rahmen der Don-Bosco-Stiftung Jugendliche pädagogisch zu begleiten. In unserem Institut für Umwelt und Kultur sind 14 Flüchtlinge untergekommen, syrische Christen und ein Muslim. Wir sind kein Haus, das leer steht, wir können dort nun keine Flüchtlinge aufnehmen. Im Kloster sind die Stiftungsfachhochschule für Soziale Arbeit, das Jugendpastoralinstitut und das Institut für Salesianische Spiritualität untergebracht. Ob und wie weit wir in den kommenden Monaten auf unserem Gelände noch Flüchtlinge unterbringen, wird mit dem Gemeinderat verhandelt.

Pater Reinhard Gesing, Direktor des Salesianerklosters Benediktbeuern

Arm sind nicht nur Flüchtlinge

Im Kloster Andechs ist das, was Franziskus fordert, schon seit einem Jahr Wirklichkeit. Zwölf Asylbewerber leben in einem Motel, das dem Kloster gehört, aber leer stand. Wir bieten diese Räume kostenlos an. Wer dort wohnt, das haben nicht wir entschieden, sondern das Landratsamt Starnberg.

Außerdem wird mit dem Geld, das Kloster Andechs erwirtschaftet, eine Obdachlosenhilfe in München finanziert. Das hat zwar auf den ersten Blick nichts mit Flüchtlingen zu tun, auf den zweiten aber doch. Denn schon seit Längerem werden Männer von Osteuropa nach München gelockt mit dem Versprechen, dass sie dort Arbeit finden. Dann stranden sie am Münchner Hauptbahnhof und niemand ist da, der ihnen Arbeit gibt. Das Kloster St. Bonifaz in der Nähe des Hauptbahnhofs gibt im Moment 200 bis 300 warme Mahlzeiten am Tag aus, die Männer bekommen einen kostenlose ärztliche Versorgung, sie können duschen und einige Notschlafplätze gibt es auch. Man darf die Hilfe für Flüchtlinge nicht isoliert sehen. Auch die Arbeitsmigration verursacht viel Elend.

Martin Glaab, Pressesprecher Kloster Andechs

Viele Flüchtlinge durchstehen auf dem Weg nach Deutschland große Strapazen: