Viele Muslime sind noch heute Gefangene der mysteriösen Figur Mohamed, die im 7. Jahrhundert gelebt hat. Aber auch der historische Mohamed ist ein Gefangener – der übertriebenen Verehrung und des Anspruchs der Muslime an seine Unantastbarkeit. Die Omnipräsenz des Propheten in Bildung und Politik, die Überbetonung der religiösen Komponente in vielen islamischen Gesellschaften verhindert die Entstehung alternativer Identitätsquellen. Alles geht auf ihn zurück, er schwebt über allem und bestimmt den Alltag von muslimischen Bürgern, Politikern und Theologen. Gleichzeitig verhindern die emotionale Bindung der Muslime an Mohamed und die unreflektierte Überhöhung des Propheten eine historisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Begründer des Islams.

Als ich noch ein strenggläubiger Muslim war, dachte ich, ich wüsste alles über Mohamed, nur weil ich seine Biografie, den Koran und seine zahlreichen Hadithe – seine außerkoranischen Aussagen – gelesen hatte. Als Forscher allerdings musste ich eine kritische Distanz gewinnen. Je mehr ich mich mit Mohamed beschäftigte, umso mehr kam ich mir vor, als hielte ich einen Satz Tarotkarten in der Hand. Manche dieser Karten gaben Trost und Hoffnung, andere waren furchterregend. Hier der ethisch argumentierende Prediger aus Mekka, dort der intolerante Kriegsfürst in Medina. Hier der Mensch, der für Mitgefühl und Vergebung plädiert, dort der Massenmörder und psychisch kranke Tyrann.

Ich wollte deshalb keine neue Biografie Mohameds schreiben, sondern eine ganz persönliche Annäherung an sein Leben, eine "Abrechnung". Ihr liegen nicht nur heutige Maßstäbe zugrunde, sondern auch die moralischen und gesellschaftlichen Kriterien jener Zeit. Denn auch aus Sicht seiner Zeitgenossen hat Mohamed viel Verwerfliches getan. Darüber hinaus versuche ich, die politischen und psychologischen Motive seines Handelns zu verstehen.

Die Sucht nach Macht und Anerkennung

Mohamed war ein Waisenkind, das nicht bei seiner Familie, sondern bei fremden Beduinen aufwuchs. Als er nach Mekka zurückkam, hütete er wie ein Sklave Schafe für seinen Stamm, bei dem er offenbar wenig angesehen war. Ihm fehlten nicht nur die Liebe und Fürsorge der Eltern, sondern auch Leitfiguren. Die Rolle des Einzelkämpfers war ihm in die Wiege gelegt. Später heiratete er eine reiche Witwe und wurde in ihrem Unternehmen ein erfolgreicher Karawanenführer. Er war gut situiert und glücklich. Doch im Alter von 40 Jahren geriet er plötzlich in eine Sinnkrise. Er wanderte allein in der Wüste umher, meditierte in einer Höhle, hatte Visionen und behauptete, Steine würden zu ihm sprechen. Er litt unter Angstzuständen und trug sich mit Suizidgedanken. Und er glaubte an eine Offenbarung, die ihm vom Himmel gesandt wurde.

Ein zweiter Wendepunkt im Leben Mohameds war seine Auswanderung von Mekka nach Medina. Hier wurde nicht nur der erste muslimische Staat gegründet, hier kam auch der gewalttätige Prophet zum Vorschein, der für seine Ziele über Leichen ging. Der Unterschied zwischen Mohamed in Mekka und Mohamed in Medina ähnelt dem zwischen dem jungen marxistischen Theoretiker Lenin und dem sowjetischen Staatsoberhaupt Lenin. Nach der Machtergreifung gerieten vormals hochgehaltene Prinzipien immer mehr in den Hintergrund, die Logik der Macht und die Angst vor dem Verrat bestimmten fast alles. Kriege verlangten nach neuen Kriegen, und Mohamed begann eine beispiellose Eroberungswelle, die die Welt bis heute prägt.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 38 vom 16.09.2015.

Seine ambivalente Persönlichkeit wird auch verständlich durch seine Beziehung zu Frauen. Er behandelte sie nicht wie ein Tyrann, sondern eher wie ein Kind, das unter Verlustängsten litt – und diese prägen die Situation muslimischer Frauen bis heute. Die Verschleierung, die Mehrehe, die Unterdrückung sind nicht zuletzt Mohameds Ängsten geschuldet. Gleichwohl sprach er durchaus positiv über Frauen, manche Muslime finden sogar, er habe die Frauen befreit.

Mohamed war süchtig nach Macht und Anerkennung. Diese suchte er bei Frauen – und im Krieg. Allein in den letzten acht Jahren seines Lebens führte er über 80 Kriege. Erst im Schatten des Schwertes erfuhr er die Anerkennung, die er immer gesucht hatte. Doch je mächtiger er wurde, desto stärker war er getrieben von seiner Macht. Je mehr Feinde er ausschaltete, desto mehr wuchs seine Paranoia. Seine Anhänger in Medina kontrollierte er auf Schritt und Tritt. Er versuchte alles zu beherrschen und zu regeln, selbst ihren Schlafrhythmus. Fünfmal am Tag versammelte er sie zum Beten, um sich ihrer Treue zu versichern. Er warnte sie vor den Qualen der Hölle. Sünder wurden ausgepeitscht, Lästerer und Apostaten getötet. Was Sünde war, bestimmte er.

Ein gekränkter Außenseiter als Kriegsfürst

Die letzten Suren des Koran legten mit ihrer Kriegsverherrlichung und Verdammung der Ungläubigen die Saat der Intoleranz. Da der Koran als das ewige Wort Gottes gilt, das für alle Zeiten Gültigkeit hat, sehen heutige Islamisten die alten Kriegspassagen als Legitimation für ihren weltweiten Dschihad. Mohamed versprach seinen Kämpfern nicht nur das ewige Paradies, sondern bereits im Diesseits satte Gewinne und schöne Frauen als Sklavinnen. Das war die Geburtsstunde der "islamischen Ökonomie". Kriegsbeute, Sklavenhandel und die Einführung einer Kopfsteuer für Ungläubige blieben noch Jahrhunderte nach Mohameds Tod die Haupteinnahmequellen der islamischen Herrscher. Ob Omaijaden, Abbasiden, Fatimiden, Mamelucken oder Osmanen – alle muslimischen Eroberer beriefen sich auf Mohamed. Heute rechtfertigt die Terrorbande des "Islamischen Staates" (IS) ihre Feldzüge mit dem Werdegang des Propheten, der Kriegsgefangene enthaupten ließ und Ungläubige aus ihren Wohnstätten vertrieb.

Doch auch im Gewand des Kriegsfürsten blieb Mohamed in gewisser Weise ein Kind. Er war ein empfindsamer, gekränkter Außenseiter, ein permanent Enttäuschter von der Welt. Ob als Schafhirte, Händler, Prediger oder Feldherr, Mohamed war ständig auf der Suche nach einer neuen Zuflucht. Mal hieß diese Zuflucht Khadidscha (seine erste Ehefrau), mal waren es die Buchstaben des Koran, mal die gläubigen Männer, mal die liebenden Frauen. Und am Ende wurde das Schlachtfeld seine endgültige Heimat.

Hamed Abdel-Samad wurde 1972 in Kairo als Sohn eines sunnitischen Imams geboren. 1991 trat er der Muslimbruderschaft bei, von der er sich später jedoch abwendete. Heute ist er Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und einer der bekanntesten Islamkritiker. 1995 kam Abdel-Samad nach Deutschland. Er studierte Politik und arbeitete unter anderem am Erfurter Lehrstuhl für Islamwissenschaft und am Institut für Jüdische Geschichte in München. 2013 verhängten ägyptische Islamgelehrte eine Fatwa gegen ihn und riefen zu seiner Ermordung auf. Abdel-Samad hatte den Muslimbrüdern Faschismus vorgeworfen. 2014 veröffentlichte er sein Buch "Der islamische Faschismus – Eine Analyse". Darin schreibt er auch über die Ideologie der IS-Kämpfer. Sein neues Buch heißt "Mohamed. Eine Abrechnung" (Droemer Verlag) und erscheint am 1. Oktober 2015. © Inga Kjer/dpa

Mohamed starb vor 1.400 Jahren, doch endgültig begraben wurde er nie. Er hinterließ ein Regelwerk, das bis heute jede Angelegenheit des muslimischen Alltags bestimmt. Seine sozialen Ansätze aus Mekka spenden Trost und Heil. Seine Kriege aus medinischer Zeit rechtfertigen Gewalt. Er hat Züge seiner Persönlichkeit, die man krankhaft nennen könnte, an die Muslime weitergegeben: Allmachtsfantasien und Größenwahn, Paranoia und Verfolgungswahn, Kritikunfähigkeit und Zwangsstörungen. Die beste Würdigung, die Mohamed heute erhalten könnte, wäre, ihn als den Menschen zu sehen, der er war, und den Glauben an seine Allmacht zu überwinden. Mit anderen Worten: ein gefährliches Idol zu beerdigen.

Was macht ein Kind, das wenig Aufmerksamkeit findet? Was macht ein Mensch, der von seiner Gemeinde nicht anerkannt wird? Er sucht die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die bedeutender ist als seine ursprüngliche. Ein heutiges Migrantenkind aus Dinslaken, das sowohl zu seinen türkischen Wurzeln als auch zu seiner deutschen Umgebung kaum Bezug hat und sich ständig ausgegrenzt fühlt, sucht sich möglicherweise eine imaginäre Gemeinde namens Umma, also die Gemeinschaft aller Gläubigen. Der Junge findet im Internet und an den Rändern der muslimischen Communities radikale Gruppen, die nur einen Bruchteil der großen islamischen Identität abbilden. Er identifiziert sich mit dem Leid und der Unterdrückung der Muslime in unbekannten Weltengegenden. Er verlässt die alte Welt, die ihn gekränkt hat, und fährt nach Syrien, um Teil der großen Umma-Utopie zu werden. Er schneidet Ungläubigen die Kehle durch und träumt davon, eines Tages Deutschland zu erobern, um sich zu rächen.

Methoden wie bei der Mafia

Eine Entwicklungsgeschichte, wie sie sich auch vor 1.400 Jahren zugetragen haben könnte: Mohamed war ein Fremder im eigenen Land. Seine Sippe hatte ihn verkannt und gekränkt. Er begab sich auf eine metaphysische Flucht, auf die Suche nach einer größeren Identität. Die Rückkopplung an Abraham war der Anfang. Mohamed sah Abraham nicht nur als Vorbild, was den Monotheismus anging, sondern auch als seinen leiblichen Stammvater. Er nennt Abraham im Koran Umma, ein Volk. Den Weg zu Abraham suchte er über Ismael, Abrahams Sohn, der von der Bibel beinahe übergangen wurde. Mohamed sah sich als Auserwählten und Ismael als Wegbereiter dieses Auserwähltseins. Mohamed wurde jähzornig, wenn jemand seine Zugehörigkeit zu Ismael infrage stellte, denn dies hätte die Verbindung zu Abraham unterbrochen und somit den Gründungsmythos des Islams zerstört.

Heutige Islamreformer behaupten, der Islam sei als eine moralische und soziale Revolution gegen die Ungerechtigkeit in Arabien entstanden und habe sich erst später durch die Omaijaden zu einer kriegerischen Religion entwickelt. Ähnlich argumentieren Mafia-Sympathisanten, die behaupten, die Mafia sei als Widerstandsbewegung gegen die französische Fremdherrschaft entstanden. Das Wort Mafia sei eine Akronym aus "Morte Alla Francia Italia Anela" – "Den Tod Frankreichs ersehnt sich Italien". Doch die Mafia war nie eine rechtschaffene Organisation. Und auch der Islam entstand als eingeschworene Bruderschaft, die ein tiefes Misstrauen gegenüber Menschen einte, die nicht zur Familie, nicht zum Clan gehören. Der Koran beschreibt die erste Gemeinde der Muslime so: "Mohamed ist der Gesandte Allahs. Und die, die mit ihm sind, sind hart gegen die Ungläubigen, doch barmherzig zueinander." Untereinander ist man freundlich, aber gegenüber Feinden gnadenlos. Ein Soldat Mohameds konnte im Gebet vor Ehrfurcht weinen und wenige Minuten später einen Ungläubigen enthaupten. Gleichermaßen kann ein Mafioso andächtig in der Kirche einer Predigt über Nächstenliebe lauschen und wenig später einen Menschen auf offener Straße erschießen.

Noch eine Parallele: Dem Boss der Bosse darf weder widersprochen noch darf er kritisiert werden. Ein Handkuss symbolisiert die Treue der Mitglieder und ihre blinde Hingabe. Mohamed nahm keine Entschuldigungen von seinen Anhängern an, wenn es um die Teilnahme am Gebet oder an einem seiner Kriege ging. Er sagte: "Keiner wird ein wahrer Gläubiger sein, bis er mich mehr liebt als seine eigenen Eltern, Kinder und alle Menschen."

Der Islam entstand als eingeschworene Bruderschaft, die ein tiefes Misstrauen gegenüber Menschen einte, die nicht zum Clan gehören

Doch auch Despoten sind nur Männer. Oft haben sie ein Privatleben, das nicht zu ihrem Image als Alleinherrscher passt. Einer, der ständig über Leben und Tod entscheidet, will gelegentlich schwach sein. Auch der Prophet war überfordert von der eigenen Macht. Je mächtiger er wurde, desto einsamer. Je älter er wurde, desto pubertärer sein Verhalten gegenüber Frauen – mal liebenswürdig, mal rücksichtslos, oft unsicher und eifersüchtig. Er schrieb ihnen den Vollschleier vor, schränkte ihre Bewegungsfreiheit ein und erlaubte ihnen nur dann, mit Männern zu reden, wenn eine Wand die Sprechenden trennte.

Mohameds Problem mit Frauen

Gegen Ende seines Lebens ging er mit Frauen um wie mit Gegenständen, die man nach Belieben sammeln konnte. Auf die erste Ehefrau Khadidscha folgten elf weitere, neun davon lebten mit ihm gleichzeitig in einem Haus. Dazu kamen weitere 14 Frauen, mit denen er zwar einen Ehevertrag schloss, die Ehe aber nicht körperlich vollzog. Darüber hinaus gab es zwei Dutzend Frauen, mit denen er verlobt war. Nicht zu vergessen seine Sklavinnen, die er im Krieg erbeutet oder als Geschenk bekommen hatte. Mohamed war sogar über seinen Tod hinaus besitzergreifend und verbot seinen Frauen, sich nach seinem Ableben mit anderen Männern zu vermählen. Besonders für seine junge Frau Aischa muss es hart gewesen sein, denn sie war laut islamischen Quellen erst 18 Jahre alt, als sie Witwe wurde.

Als er sie geheiratet hatte, war Aischa gerade einmal sechs Jahre alt. Jahrhundertelang sollte das Heiraten von minderjährigen Mädchen im Islam durch Mohameds Ehe mit Aischa legitimiert werden. Heute ist es vielen moderaten Muslimen eher peinlich, dass ihr Prophet eine Sechsjährige geheiratet hatte; deshalb suchen sie verzweifelt nach Ausreden. Manche erinnern daran, dass er sie zwar ehelichte, als sie sechs Jahre alt war, aber den Liebesakt mit ihr erst drei Jahre später vollzogen hat. Bei den Apologeten heißt es, damals seien selbst manche Neunjährige frühreif gewesen. Dem lässt sich entgegenhalten: Erstens bestätigte Aischa selbst, dass Mohamed sich ihr von Anfang an sexuell genähert und fast alles mit ihr getan habe, außer sie zu penetrieren. Zweitens: Ein neunjähriges Mädchen ist ein neunjähriges Mädchen und damals wie heute ein Kind. Es war zu Zeiten Mohameds keineswegs üblich, dass ein Mann ein Kind heiratete.

Andere Apologeten zweifeln die Richtigkeit von Aischas Alter an. Dumm nur: Ihr Alter bei der Eheschließung gab Aischa selbst an. Nun wollen einige Islamreformer des 21. Jahrhunderts davon nichts mehr wissen. Sie wollen ihr vom Humanismus geprägtes Weltbild auf den Propheten übertragen. Fakt ist: Mohameds Verhalten lässt sich nicht erst nach den Maßstäben des 21. Jahrhunderts kritisch bewerten; es widersprach schon zu seiner Zeit den herrschenden Gepflogenheiten.

Trotz der großen Zuneigung zu Aischa heiratete Mohamed im Schnitt fast alle sechs Monate eine weitere Frau. Das Thema Untreue wurde später ein großes Thema für ihn. Nicht nur die Regel der Vollverschleierung wurde konsequent durchgesetzt, auch neue Gesetze zur Bekämpfung von Ehebruch wurden eingeführt: Wer Unzucht trieb, wurde mit hundert Peitschenhieben bestraft. Wer Ehebruch beging, wurde zu Tode gesteinigt. Bis heute werden Frauen im Irak, in Syrien und Nigeria als Kriegsbeute missbraucht, leiden fast überall in der islamischen Welt unter physischer Gewalt. Säureattacken auf unverschleierte Frauen, Genitalverstümmelung, Steinigungen und Ehrenmorde sind die brutalsten Formen von Frauenfeindlichkeit in muslimisch geprägten Gesellschaften. Man kann nicht nur Mohamed und den Koran dafür verantwortlich machen, aber diese haben einen großen Beitrag dazu geleistet.

Nach dem Koran hat die Frau vor allem eine Funktion in der muslimischen Gemeinde zu erfüllen: den Mann zu "erleichtern". Bevor die IS-Kämpfer Jesidinnen und Christinnen als Sexsklavinnen erbeuten konnten, wurden junge Männer in Syrien damit angeworben, dass dort der Sex-Dschihad erlaubt sei. Umgekehrt bieten sich Musliminnen aus allen Ecken der Welt, vor allem aber aus Nordafrika, den Dschihadisten an. Sunnitische Gelehrte, die den sexuellen Dschihad unterstützen, berufen sich auf den Propheten, der seinen Soldaten während langer Kriege erlaubte, "Genuss-Ehen" mit Frauen zu schließen. Hier spielt die Frage nach der Moral keine Rolle, denn es geht um ein noch höheres Prinzip: den Dschihad.

Und danach, wie sieht das Paradies aus? Es besteht aus einem himmlischen Bordell, wo jedem Märtyrer 72 Jungfrauen zustehen, dazu noch deren je 70 Dienerinnen. Der mittelalterliche Theologe al-Suyuti schrieb: "Jedes Mal, wenn wir mit einer Huri schlafen, verwandelt sie sich danach wieder in eine Jungfrau. Der Penis eines Muslims wird nie erschlaffen. Die Erektion hält ewig, und der Genuss bei der Vereinigung ist unendlich süß und nicht von dieser Welt. Jeder Auserwählte wird 70 Huris haben neben seinen Frauen, die er auf der Erde hatte. Alle werden eine köstlich verlockende Vagina besitzen."

Warum muss Mohamed noch im 21. Jahrhundert bestimmen, wer wen lieben oder heiraten darf und was man tun, essen oder anziehen sollte?

Kaum ein anderes Wort hat mehr Synonyme im Arabischen als das Wort Geschlechtsverkehr. Und die meisten dieser Synonyme beschreiben keinen Liebesakt, sondern einen Akt der Gewalt. Im ersten Wörterbuch der arabischen Geschichte, dem Lisan al-Arab aus dem Jahr 1290, finden sich unter dem Stichwort nikah unter anderem folgende Begriffe: besteigen, ringen, angreifen, treffen, verletzen, erschöpfen, schießen, zusammen sein, klopfen, treten, fallen, zusammenprallen, dringen in, überfallen, stechen, heulen.

Mohamed selbst war für die damalige Zeit nicht unbedingt frauenfeindlich. Er hat sich mehrfach positiv über Frauen geäußert und mahnte seine Gefährten, ihre Frauen liebevoll zu behandeln. Auch gibt es keine Berichte darüber, dass er jemals eine seiner Frauen geschlagen hat. Gleichwohl verewigte er im Koran das Recht eines Mannes, seine Frau zu schlagen, wenn diese widerspenstig sei. Leider fällt es selbst manchen moderaten Muslimen schwer, heute zu sagen: "Das Schlagen von Frauen ist falsch, ohne Wenn und Aber! Egal, was darüber im Koran steht." Stattdessen wird der Prophet zitiert, der mahnte, dass die Schläge keine Spuren hinterlassen sollten und dass das Gesicht der Frau verschont bleiben muss.

Paranoia und Kontrollwahn

Der Prophet hatte Macht und Einfluss auf die Welt, die ihn hervorbrachte. Warum aber muss er die gleiche Macht und den gleichen Einfluss in einer Welt behalten, die er nie gekannt hat? Warum muss er noch im 21. Jahrhundert bestimmen, wer wen lieben oder heiraten darf und was man tun, essen oder anziehen sollte? Warum begeben sich Muslime in diesen Geschichtskäfig?

Man kann Mohamed vieles vorwerfen, nur nicht, dass er ein Lügner war. Seine Leidenschaft, Leidensfähigkeit und Beharrlichkeit belegen, dass er überzeugt war, Botschaften Gottes empfangen zu haben. Er wünschte sich, dass ihm eine höhere Macht beistehen möge. Zunächst suchte er Befreiung, am Ende war er selbst ein Gefangener. Ein Kontrollfreak. Nicht nur sein Gottesbild spiegelt dies wider. Viele islamische Rituale sind von sinnlosen Wiederholungen bestimmt, etwa die Gebetsverbeugungen und die Reinigungsrituale. So musste sich jeder Muslim auch in den trockensten Regionen fünfmal am Tag für das Gebet waschen, wobei jeder Körperteil dabei dreimal mit Wasser benetzt werden musste. Sollte einmal kein Wasser zur Verfügung stehen, solle man sich symbolisch mit Sand reinigen. Jene Stellen, die das Wasser/der Sand nicht erreicht habe, würden am Jüngsten Tag von Gott verbrannt, ließ Mohamed seine Anhänger wissen.

Möglicherweise litt er unter einem Reinheitswahn, der sowohl auf Schuldgefühlen als auch auf Kontrollzwang beruhte. Bis heute muss ein Muslim sich zum Gebet waschen, wenn er zuvor einer Frau die Hand gegeben hat. Eine Moschee muss man mit dem rechten Fuß betreten, die Toilette dagegen mit dem linken Fuß. Ein Gebet muss vor dem Toilettengang gesprochen werden, um den Muslim vor bösen Dämonen zu schützen, die auf dem stillen Örtchen lauern. Nach dem Toilettengang spricht man erneut ein Gebet aus und dankt Allah, dass man vor den bösen Geistern bewahrt wurde. Die Liste der Anweisungen, die einen Muslim in der freien Gestaltung seines Tages hemmen, ließe sich mit unzähligen Beispielen fortsetzen.

Um ein guter Muslim zu sein, muss der Gläubige den Propheten auf Schritt und Tritt nachahmen. Selbstbestimmung, Flexibilität und Kreativität sind nicht vorgesehen; heutigen konservativen Islamgelehrten eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, ihrerseits Macht über die Muslime zu gewinnen. Ganze Fernsehsendungen drehen sich darum, Fragen der Gläubigen im "Sinne des Propheten" zu beantworten. Das Problem hier ist nicht das Streben nach korrektem Benehmen, sondern dass alle, die sich nicht an die Vorgaben halten, als "unreine Sünder" gelten. Heute sind Schuldgefühle und der Wunsch nach Reinwaschung wichtige Motoren der Radikalisierung. Die Islamisten sehen sich als die wahren Erben des Propheten.

Den Tod mehr lieben als das Leben

Wer sich selbst überschätzt, überschätzt oft auch die Feindseligkeit seiner Umgebung. Die frühislamische Überlieferung zählt allein 15 Mordkomplotte, die der Prophet angeblich überlebt haben soll: drei durch arabische Heiden und zwölf durch Juden. Zwar steht im Koran, dass Gott die Menschen zu Völkern gemacht habe, auf dass sie einander kennenlernen (Sure 49 : 13), doch Mohamed prophezeite: "Die Völker werden eines Tages über euch herfallen. Denn ihr werdet schwach im Herzen sein. Eure Herzen werden dadurch schwach, dass ihr das Leben liebt und den Tod hasst." Islamisten fordern deshalb, den Tod mehr zu lieben als das Leben. Nicht umsonst lautet eine der Kampfparolen der Terroristen gegen den Westen: "Ihr liebt das Leben, und wir lieben den Tod."

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland bestätigte, dass Mohamed keine Ahnung von Fußball gehabt haben konnte

Es gibt keine Stelle im Koran, die explizit die Todesstrafe für jene vorsieht, die den Propheten beleidigen, aber in der Biografie Mohameds wimmelt es nur so von Erzählungen über Menschen, die auf seinen Befehl hingerichtet wurden, weil sie ihn gelästert hatten. Die Überlieferung zählt über 40 Opfer, darunter einige Dichter und Sänger, die es gewagt hatten, Mohamed ins Lächerliche zu ziehen. So lesen wir in der Hadith-Sammlung von Abū Dawūd: "Der Prophet entdeckte vor seiner Moschee eine getötete Frau. Er fragte die Betenden, wer sie umgebracht habe. Ein Blinder erhob sich und sagte: ›Ich. Sie ist meine Sklavin, und ich habe von ihr zwei Kinder, Perlen gleich. Doch gestern hat sie dich, Prophet Gottes, beleidigt. Ich forderte sie auf, dich nicht mehr zu beschimpfen, aber sie wiederholte das Gesagte. Ich konnte das nicht aushalten und habe sie umgebracht.‹ Mohamed entgegnete: ›Das Blut dieser Frau ist zu Recht geflossen!‹"

Fundamentalismus als Folge der Überhöhung des Islam

Erschreckend an der Geschichte ist nicht nur die Tatsache, dass ein Mann die Mutter seiner Kinder tötet, sondern die Privatisierung von Gewalt. Todesurteile zu vollstrecken ist kein Privileg des Herrschers oder einer Staatsgewalt – jeder Muslim ist dazu befugt. Als ich im Juni 2014 einen Vortrag in Kairo hielt und behauptete, der islamische Faschismus habe bereits mit Mohamed begonnen, rief ein Professor der Al-Azhar-Universität zu meiner Tötung auf und zitierte jene Geschichte von der Sklavin des blinden Mannes als Beleg für die Rechtmäßigkeit seines Aufrufs.

Im Frühjahr 2015 steinigte ein Mob eine junge Afghanin in Kabul zu Tode, weil diese angeblich den Koran verbrannt habe. Eine britische Lehrerin musste im Sudan ins Gefängnis, weil sie ihren Teddy "Mohamed" nannte. Und der Fußballklub Schalke 04 steckte Kritik ein, weil es in seiner Hymne heißt: "Mohamed war ein Prophet, der vom Fußball nichts versteht." Immerhin: Der Zentralrat der Muslime in Deutschland bestätigte, dass Mohamed keine Ahnung von Fußball gehabt haben konnte.

Das, woran die islamische Welt krankt, kann nur geheilt werden, wenn Muslime sich von den multiplen Krankheiten des Propheten lösen: Selbstüberschätzung, Paranoia, Kritikunfähigkeit sowie die Neigung zum Beleidigtsein. Auch das verzerrte Bild Gottes, das zum Vorbild für Despoten geworden ist, muss infrage gestellt werden. Fundamentalismus ist nicht eine Folge der Fehlinterpretation des Islams, sondern eine Folge seiner Überhöhung. Die Reform des Islams beginnt, wenn Muslime es wagen, Mohamed aus dem Käfig der Unantastbarkeit zu entlassen. Erst dann können sie selbst aus dem Gefängnis des Glaubens ausbrechen und Teil einer Gegenwart werden, die nicht von Gott, sondern von den Menschen bestimmt wird.