Was ist die Höchststrafe, die die Post in Hamburg zu vergeben hat? Dass ein Paket nicht kommt? Dass man dann auf der Benachrichtigungskarte liest, man sei nicht da gewesen, obwohl man in der Wohnung saß, auf das kleinste Räuspern der Klingel lauernd?

Nein, das ist nur das tragische Vorspiel. Die wahre Höchststrafe ist, dass man sein Paket abholen muss. Und die größtmögliche Höchststrafe ist es laut übereinstimmenden Berichten von Betroffenen, schaudernden Passanten und Presse, wenn dies in der Filiale Kaltenkirchener Straße in Altona passiert.

Kommt es dumm, muss man dort 20, 40, gar 60 Minuten anstehen. Wer es nicht schafft, die segensreichen Dienstleistungen der Filiale wochentags zwischen 10 und 18 Uhr in Anspruch zu nehmen, und an einem Samstag erscheint, kann eine Warteschlange vorfinden, die bis nach draußen reicht. Ideal für Fotografen, die Motive für die Misere der Post suchen. Weniger ideal für Alte, Unlethargische und Menschen mit einem dringenden Bedürfnis. Mancher kommt angeblich zwei, drei Mal zu der "Filiale des Grauens", um ein Päckchen abzuholen.

Bisweilen sollen hier bei Hochbetrieb nur ein, zwei Mitarbeiter hinter den Schaltern stehen, die dann mindestens so gefrustet sind wie die Kunden. Wir haben um 16 Uhr vier Angestellte angetroffen, die gut drauf waren, möglicherweise, weil die Zahl der Wartenden bei null lag. Dann, als sich um 17 Uhr eine erste Schlange bildete, standen da nur noch drei Postleute. Dass sich diese Relation entsprechend fortsetzen könnte bis zum Verhältnis Kunden/Mitarbeiter von 50 : 1, respektive 100 : 0 – womit wir die Lösung des Problems hätten! –, hält Postsprecher Martin Grundler für absurd: Man versuche, "wenn es irgend geht", gerade in Stoßzeiten alle sechs Plätze zu besetzen.

Kann man nicht wenigstens die Öffnungszeiten der Filiale menschenfreundlicher gestalten?

Dafür, sagt Grundler, reiche das Personal nicht.

Aber, verrät er uns dann exklusiv, "wir arbeiten an Lösungen": Im Einzugsgebiet soll es bald mehr Packstationen geben – und mehr Partnerfilialen in Schreibwarenläden oder Getränkemärkten, wo man seine Pakete nicht nur abgeben, sondern auch abholen kann!

Wie schön! Aber wieso erst jetzt?

"Bisher war der Absender unser Vertragspartner", sagt Grundler. "Aber man muss umdenken: Auch der Empfänger kann ja unser Partner sein."