DIE ZEIT: Wenn ich Ihnen erzähle, dass ich Journalistin bin – was wissen Sie dann über meinen Charakter?

Claudia Harzer: Sie sind wahrscheinlich kreativ im Denken und Problemlösen, neugierig und wissbegierig.

ZEIT: Klingt gut. Gibt es auch andere Berufe, in denen die Menschen über ganz bestimmte Eigenschaften verfügen?

Harzer: Pfarrer sind häufig sehr dankbar und freundlich, können gut im Team arbeiten und sich in andere Menschen hineinversetzen. Gymnasiallehrer hingegen zeichnen sich besonders durch Liebe zum Lernen und ihr Urteilsvermögen aus. Sie haben besonders viel Ausdauer und eine hohe Selbstregulation, das heißt, sie haben keine Mühe, ihre Gefühle und ihr Verhalten zu kontrollieren.

ZEIT: Das ist aber, mit Verlaub, wenig überraschend.

Harzer: Mag sein. Doch solche Stereotype haben zum Teil durchaus ihre Berechtigung.

ZEIT: Ergaben Ihre Forschungsergebnisse denn auch Überraschungen?

Harzer: Bei Köchen war auffallend, dass sie sehr bescheiden sind. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass sie viel Feedback bekommen. Wenn etwas nicht gut ist, erhalten sie sehr wahrscheinlich negative Kritik. Sie sind aber auch sehr ehrlich. Eine Charakterstärke, die wichtig ist, um die Qualität der eigenen Arbeit zu überprüfen.

ZEIT: Wie haben Sie all das herausgefunden?

Harzer: Ich habe eine Studie mit 173 Berufsgruppen durchgeführt, die ich jeweils auf ihre Charakterstärken hin untersucht habe.

ZEIT: Charakterstärken?

Harzer: Moralisch positiv bewertete Eigenschaften. Insgesamt gibt es 24 Charakterstärken wie Dankbarkeit, Humor, Vorsicht, Teamwork oder Freundlichkeit. Charakterstärken, die einer Person besonders eigen sind, bezeichnet man als Signaturstärken.

ZEIT: Und wie hängen meine Charakterstärken mit meinem Beruf zusammen?

Harzer: Sie wertschätzen Ihren Beruf vor allem dann, wenn er zu Ihren Signaturstärken passt. Und genau dann sind Sie auch gut in Ihrem Job.