Er hatte gehofft, unerkannt davonzukommen. Hatte sich hinter einem neuen Namen versteckt, zwischen seinen Anwälten, das Gesicht von den Zuschauern weggedreht. Jürgen Smith, wie er sich jetzt nennt, wollte die Sache einfach hinter sich bringen. Ein schnelles Geständnis, eine kurze Verhandlung, dann nichts wie weg. Das war der Plan.

Doch es gibt Menschen, die verändern sich kaum, wenn sie älter werden. Die werden fülliger im Gesicht, mehr nicht. Jürgen Harksen gehört dazu. Jürgen Harksen alias Jürgen Smith, wie er sich heute nennt, wohnhaft in Palma de Mallorca. Der Mann auf der Anklagebank des Hamburger Landgerichtes, Saal 390. Jürgen Harksen, der berühmteste Gauner der Stadt, ist ausgerechnet in seiner alten Rolle zurückgekehrt: als überführter Betrüger, nur kleinlauter als damals.

Der unscheinbare Herr Smith, der sich nun wegen Betrugs verantworten muss, ist der glamouröse Hochstapler von einst. Der Millionenbetrüger der neunziger Jahre, "Mister Money" genannt, der Hunderte vermögende Hamburger mit angeblichen Ölgeschäften um ihre Millionen brachte. Erst hielt er die High Society mit Geschichten über märchenhafte Renditen zum Narren, dann die Hamburger Justiz, als er sich 1993 nach Südafrika absetzte und neun Jahre lang erfolgreich gegen seine Auslieferung wehrte. Schließlich ging er doch ins Gefängnis und kam nach fast sieben Jahren scheinbar geläutert wieder raus.

Jetzt sitzt er wieder hier, mit schwarzer Brille, schwarzem Hemd und verschämtem Gesicht. Es ist ein demütigender Auftritt. "Mist", zischt seine Anwältin, als sie die Journalisten erblickt.

Niemand hätte geglaubt, Jürgen Harksen noch einmal in der Rolle des Straftäters anzutreffen. Es schien, als habe er ernsthaft ein neues Leben begonnen. Im Knast nutzte er die einsamen Stunden in der Zelle, um seine Memoiren zu schreiben: Wie ich den Reichen ihr Geld abnahm. Eine Koketterie, durch die er sich die vorzeitige Entlassung verspielte, aber doch auch eine Abrechnung mit dem früheren Leben. Von 2005 an kochte er als Freigänger in einem Restaurant. Nach seiner Entlassung heiratete er wieder, zog nach Mallorca, stieg in den Weinhandel ein. Erst im März eröffnete er ein Feinschmeckerrestaurant, angeblich waren sogar Hollywoodstars zur Eröffnung da.

Und doch hat er es wieder getan. Wieder entpuppt sich alles als Fassade, die Resozialisierung als großer Bluff, wie sein ganzes Leben.

Auf Mallorca knöpfte er einem vermögenden Freund mit Lügengeschichten 120.000 Euro ab. Er versprach ihm, ein Adoptivkind aus Südafrika zu besorgen. Der Freund war alleinstehend, er hatte nie eine Chance auf ein Adoptivkind. Doch er glaubte Harksen alias Smith, dass der das Unmögliche möglich machen könne, dieser Mann mit dem runden, gutmütigen Gesicht. Über Monate nährte Harksen diesen Glauben und veranlasste den einsamen Freund zu immer weiteren Zahlungen. Er schickte ihm fiktive Mails eines vermeintlichen Philipp aus Kapstadt, der sich schon darauf freute, endlich zu seinem Papa nach Mallorca zu kommen.