Zu den (auch von dieser Autorin) verbreiteten Erkenntnissen über den Libanon gehört, dass der Staat nicht funktioniert.

Es gibt Ausnahmen.

Im April beschloss das Parlament ein Gesetz zur Verkehrssicherheit. Seither sind beliebte Sitten verboten. Zum Beispiel die Mitnahme von Kleinkindern auf Motorrädern.

Untersagt ist zudem das Fahren mit verdunkelten Fensterscheiben, was das "Spoiler Center" in meiner Nachbarschaft, einen Laden zum Aufpimpen von Autos, sichtbar Kunden kostet. Für den Erhalt des Führerscheins muss man nun in die Fahrschule, eine Art Flensburger System registriert Verkehrssünder. Bei zwölf Punkten ist die Pappe weg. Es sei denn, Fahrer oder Fahrerin gehören einer einflussreichen Familie an oder zahlen ein "informelles" Bußgeld.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 39 vom 24.09.2015.

Nach drei Monaten kann ich feststellen: Taxifahrer legen in Sichtweite von Polizisten den Gurt an, Rennen unweit meines Hauses werden seltener.

Zudem ist Trunkenheit am Steuer teurer geworden. Wobei ich mehr Angst vor Menschen wie der blendend geschminkten Fahrerin habe, die im Geländewagen SMS tippt, während ihr teuer besohlter Fuß auf dem Gaspedal lastet. Wer das für ein Klischee hält, dem kann ich nur sagen: Es ist so.

Meine Hoffnung: Wer beim Texten am Steuer erwischt wird, kassiert nun drei Punkte. Es sei denn – na ja, Sie wissen schon: ein informelles Bußgeld.