DIE ZEIT: Sie sind gerade 21 geworden, haben nach einem 1,0-Abitur an der Jüdischen Oberschule in Berlin gleich angefangen zu studieren, betreiben eine kleine Firma, und nun haben Sie einen Ratgeber für Abiturienten geschrieben. Das alles in einer Zeit, in der es sich viele Ihrer Altersgenossen im Gap Year gemütlich machen. Sind Sie ein Streber? Haben Sie noch Freunde?

David Weinstock: Nein, ich bin kein Streber und ja, ich habe auch noch Freunde. Ich habe sogar relativ viel freie Zeit, weil ich darauf achte, das zu machen, was am effektivsten ist, um die einzelnen Ziele zu erreichen.

ZEIT: Einst waren Sie nicht so zielgerichtet. Sie waren sogar ein mittelmäßiger bis schlechter Schüler. Wie kam es zu der Änderung?

Weinstock: Das war ein Prozess. Mit 17 habe ich eingesehen, dass ich unter meinen Möglichkeiten bleibe, wenn ich so weitermache wie bisher. Ich war sehr unzufrieden mit mir, hatte Versagensängste – da musste ich etwas ändern. Die 1,0 hatte ich da noch nicht im Sinn. Ich las Biografien von berühmten Leuten, die mal ganz klein angefangen haben. Ich dachte mir: Wenn diese Leute so große Sprünge schaffen, warum kann ich nicht einen kleinen Sprung wie die 1,0 schaffen? Ich wollte beweisen, dass ein Dreier-, Vierer-, Fünfer-Schüler nicht dumm ist.

ZEIT: Kann es wirklich jeder schaffen? Dafür braucht es doch enormes Potenzial, und das hat nicht jeder, der schlecht in der Schule ist, oder?

Weinstock: Doch, ich glaube, dass bei vielen die Talente noch nicht erkannt wurden, ob es nun künstlerische, intellektuelle oder sportliche sind. Es liegt an der Angst vor dem Scheitern, an der Faulheit, weil die meisten nicht lernen, dass man A, B, C gemacht haben muss, um zu Ergebnis D zu kommen.

ZEIT: In Ihrem Buch klingt das alles ganz einfach. Bereite dich vor, packe die Schulmappe richtig, halte deinen Arbeitsplatz sauber – könnte auch Muttern gesagt haben. Wieso kommen Schüler erst nach zehn Jahren darauf?

Weinstock: Jugendliche spinnen einfach in dem Alter. Hinzu kommt die Gruppendynamik: Wenn sich alle um einen herum mehr für anderes als für die Schule interessieren, ist man geneigt, die Schule zu vernachlässigen.

ZEIT: Wie haben Sie begonnen?

Weinstock: Als ich mich dazu entschlossen hatte, war ich bereit, alles zu tun, um das Abitur zu schaffen. Anfangs war es recht hart, als es darum ging, Wissenslücken zu füllen, während im Sommer alle anderen im Freibad lagen. Später habe ich dann oft nicht mehr als eine halbe Stunde außerhalb der Schule gelernt.

ZEIT: Was genau muss man fürs 1,0-Abi tun?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 40 vom 01.10.2015.

Weinstock: Sich klarmachen: Wenn man die Grundlagen nicht beherrscht, wird man auch nichts verstehen, egal, wie viel man tut. Ist diese Schufterei vorbei, dann ist es einfach, dem Lehrer zu folgen. Zuhören, Notizen machen, versuchen, durch kluge Beiträge zu beeindrucken – ein bisschen Psychologie ist immer dabei. Vorlernen ist gut, man lernt so zweimal, vor und noch mal in der Klasse.

ZEIT: Für Wissen gibt es keine 15 Punkte, schreiben Sie. Mehr Strategie, weniger Bildung?

Weinstock: Wissen ist wichtig, aber man muss das Wissen auch rüberbringen können.

ZEIT: Was ist mit der Prüfungsangst?

Weinstock: Früher hab ich nicht gewusst, wo anfangen vor einer Klausur. Später war ich nie aufgeregt, weil ich mir bei älteren Schülern die Klausuren von früher besorgt habe. Klausuren sind sehr ähnlich aufgebaut. Es hilft, wenn man die alten durcharbeitet. Ein Trick fürs Mündliche ist: den Lehrern positiv aufzufallen mit durchdachten Beiträgen. Schriftlich muss man gut vorbereitet sein.