Was bleibt, ist dieses Bild vom nahen Ende eines langen Kampfes. Das Foto zeigt Sepp Blatter, 79, am vergangenen Freitag, in der Dunkelheit aufgenommen durch die Scheiben eines Fensters im Fifa-Hauptquartier auf dem Zürichberg. Der Präsident müde, sein Gesicht derangiert, ein Mann ohne Macht – selbst in seinem eigenen Haus, seinem Büro im zweiten Stock. Schweizer Ermittler kamen durch die Tiefgarage, unbemerkt von den Mitarbeitern. "Das hat dem Präsidenten gar nicht gefallen", erinnert sich ein Zeuge der Besetzung.

Das soll trotzig klingen – tatsächlich geht bei den Fifa-Mitarbeitern in diesen Stunden die Angst um. Was wird aus dem ersten Mann, gegen den nun auch wegen Delikten ermittelt wird, die so typisch für die Fifa klingen: Ungetreue Geschäftsbesorgung und Veruntreuung lauten die Vorwürfe. In der Schweiz drohen dafür jeweils bis zu fünf Jahren Haft. Was wird aus ihnen? Und aus der Fifa?

"Vergesst die Telefone, keiner geht mehr ans Handy!", lautet eine der Anordnungen für die Mitarbeiter. Juristen einer amerikanischen Anwaltskanzlei sind im Haus, sie wüssten, "was man tun muss, um die Fahnder aus den USA nicht noch weiter zu verärgern".

Fast die ganze Nacht durch wird in den Blatter-Büros ermittelt, wieder und wieder "werden Unterlagen auf die Flure herausgereicht". Es habe kaum noch ein Durchkommen auf den Gängen gegeben, "alles war blockiert", sagt ein Fifa-Mitarbeiter.

Die Fahnder wollen herausfinden, warum die Fifa im Februar 2011 zwei Millionen Franken an Uefa-Chef Michel Platini zahlte. Als Honorar für dessen Tätigkeit als Angestellter der Fifa? Das behauptet zumindest Platini. Warum floss das Geld mit neunjähriger Verspätung, kurz vor Blatters Wiederwahl, die der Uefa-Boss so warmherzig unterstützte? Kann das Zufall sein?

Auch wenn der Fifa-Chef formal noch als Präsident im Amt ist, müsste er in Kürze aufgrund des Strafverfahrens durch die hausinterne Ethikkommission suspendiert werden. Will das Schicksal, dass Blatter nun auch seinen designierten Nachfolger Michel Platini für immer vom Platz nimmt, dass nichts mehr so bleibt, wie es war?

Unsinn, das alles; findet zumindest Sepp Blatter. Beim Info-Meeting in seiner Züricher Fifa-Burg Anfang dieser Woche erschien Blatter gut gelaunt vor rund 350 Mitarbeitern. Nichts mehr zu sehen von der NiederEr sei sich keiner Schuld bewusst, beruhigte der 79-Jährige sein verängstigtes Team. Zu weiteren Fragen an den Chef kam es an diesem Morgen nicht.

Platini scheint die Bedrohung wenige Tage nach der Durchsuchung nachhaltig zu schaden, seine Chancen auf eine Nachfolge in das Amt Blatters sinken. Und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, von der Boulevardpresse bereits als "ein geeigneter Kandidat" für das möglicherweise frei werdende Amt des Uefa-Präsidenten ins Gespräch gebracht, muss sich wohl auch noch etwas gedulden. Niersbachs Vorgänger, Theo Zwanziger, läuft sich in der Zwischenzeit schon einmal warm. Der 70-jährige Jurist schien dem Familiensumpf in den Fußballverbänden kurzzeitig entschwommen. Was mit Platini passiere, entlocke ihm jedoch "ein Schmunzeln". Ob er sich vorstellen könne, noch einmal zurückzukehren, als eine Art Korruptionskämpfer die Fifa zu revolutionieren? "Das sind Kommunikationsspielchen", unterbricht Zwanziger, noch sei kein Anlass, "die Frage mit Nein oder Ja zu beantworten".