ZEIT: Herr Slik, Sie sind jetzt seit einem Jahr in Deutschland. Wie weit sind Sie damit, sich etwas Neues aufzubauen?

Chocolatier Iyad Slik: Ich betreibe noch Marktforschung.

ZEIT: Wie kann man sich das vorstellen?

Chocolatier Slik: Ich spaziere über den Ku’damm, über die Friedrichstraße, durchs KaDeWe, gucke mir die Auslagen an und versuche zu verstehen, was den Deutschen schmeckt.

ZEIT: Und, was mögen die am liebsten?

Chocolatier Slik: Schokolade. Immer Schokolade.

ZEIT: Das ist doch perfekt, für Sie als Chocolatier.

Chocolatier Slik: Es ist trotzdem nicht einfach. Sehen Sie, ich habe meine Firma in Damaskus in dritter Generation geführt.

Slik, der aussieht wie ein italienischer Geschäftsmann – dunkles Jackett, modische Brille, braune Locken –, zieht eine Visitenkarte aus der Innentasche seines Jacketts. Feines, beigefarbenes Papier, "Confiseur Chocolatier seit 1918" steht darauf, auf Englisch und Arabisch.

Chocolatier Slik: Wir waren bekannt dafür, dass wir nur feinste Rohstoffe verwenden. Besonders edlen Kakao und Aleppo-Pistazien, kennen Sie die? Schöne grüne Farbe, guter Geschmack, sehr teuer, die besten Pistazien der Welt. Wenn ich wieder einen Laden wie in Damaskus haben wollte, müsste ich ihn eigentlich am Kurfürstendamm aufmachen. Das wäre das richtige Umfeld. Aber das könnte ich mir niemals leisten.

ZEIT: Und anderswo?

Chocolatier Slik: Ich hatte neulich einen Termin mit der Mall of Berlin. Ich habe dem Vermieter meinen Katalog gezeigt, er hat mir ein Angebot für einen Laden gemacht, aber es war zu teuer. Und der Vertrag gilt für fünf Jahre. So etwas kann ich im Moment nicht unterschreiben.

Möbelfabrikantin Albassir: Es ist nicht nur das Geld. Ich spreche gut Deutsch, aber ich habe einen arabischen Akzent, für viele Vermieter ist das schon ein Problem. Und immer werden wir gefragt, ob wir Kontoauszüge vorlegen können, Einkommensnachweise, Mietschuldenfreiheitsbescheinigungen. Das ist nicht so einfach, wenn man alles verloren hat.

Möbelfabrikant Karimo: Ganz ehrlich, es ist verdammt schwer, in den deutschen Markt einzusteigen, nicht nur als Chocolatier. Die Industrie hier ist stark. Die Firmen sind sehr groß.

Betonproduzent Issam Al Baroudi: Der deutsche Markt ist gesättigt, und die Konkurrenz ist seit vielen Jahren im Geschäft. Ich habe in Syrien Beton produziert. Ich müsste Millionen investieren, um hier neu starten zu können.

Issam Al Baroudi leitete in der Nähe von Damaskus eine Fabrik, die Mischbeton herstellt. Seit knapp zwei Jahren lebt Al Baroudi mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern in Deutschland.

ZEIT: Wenn in Ihrer alten Branche nichts geht, Herr Al Baroudi, was wollen Sie dann machen?

Betonproduzent Al Baroudi: Ich habe einen Master in IT. Mein Fach wird in Berlin gesucht, vielleicht findet sich da etwas. Die Sprache ist natürlich eine Hürde, und viele Firmen beschäftigen lieber einen 23-Jährigen, der perfekt Deutsch kann, keine Frau und keine Kinder hat. Aber noch habe ich Hoffnung.