In der Hamburger Justizbehörde wird derzeit überlegt, ein Gefängnis komplett zu schließen. Nach ZEIT-Informationen deutet alles darauf hin, dass es eine traditionsreiche Justizvollzugsanstalt trifft: das bisherige Jugend- und Frauengefängnis Hahnöfersand an der Elbe.

Wie aus Fachkreisen zu hören ist, laufen bereits Gespräche zwischen den Justizministerien in Hamburg und Schleswig-Holstein. Beide Länder arbeiten zusammen, um Sicherungsverwahrte unterzubringen. Nun soll die Kooperation auf jugendliche Straftäter ausgeweitet werden. Schließt Hamburg das Gefängnis Hahnöfersand, könnten die Jugendlichen beispielsweise im schleswig-holsteinischen Neumünster unterkommen, wo es ein größeres Angebot an Ausbildungen und Berufsqualifikationen gibt.

Im Gefängnis Hahnöfersand stehen schon lange viele Zellen leer: So war im Mai nur gut die Hälfte der Plätze für jugendliche Täter belegt. Viele Berufs- und Therapieangebote muss die Anstalt trotzdem anbieten. Das führt dazu, dass das Personal nicht immer effizient eingesetzt wird und es an anderen Orten fehlt. Als Nachteil der Anstalt gilt außerdem, dass sie schwer zu erreichen ist und viele Gebäude in einem traurigen Zustand sind. Das Gefängnis müsste für einen zweistelligen Millionenbetrag saniert werden, dabei müssten die Häuser auch von Asbest befreit werden. Hamburgs Haftanstalten leiden seit vielen Jahren unter einem Investitionsstau.

113 Jugendliche und 58 erwachsene Frauen saßen im Mai in der JVA Hahnöfersand ein. Die Frauen sollen sowieso umziehen, wie der Senat schon vor Jahren angekündigt hat: in das 2006 eröffnete und ebenfalls nicht ausgelastete Gefängnis in Billwerder.

Seit Jahren sinkt die Zahl der Häftlinge in Hamburg stark. Waren es um die Jahrtausendwende zeitweise noch mehr als 3.000 Gefangene, sind es inzwischen nur noch halb so viele. Dafür verantwortlich ist unter anderem die steigende Zahl alter Menschen. Ältere werden seltener kriminell.

Auf der Elbinsel Hahnöfersand bei Jork, die zu Niedersachsen gehört, bringt Hamburg seit dem Jahr 1913 Gefangene unter. Berühmt wurde das 1920 gegründete Jugendgefängnis dank Siegfried Lenz. Er ließ Siggi Jepsen, die Hauptfigur seines Romans Deutschstunde, dort einsitzen. Sollte die Kooperation mit Schleswig-Holstein wie geplant kommen, könnte die Anstalt in den Jahren 2018 oder 2019 geschlossen werden.

"Um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden, müssen wir die Vollzugslandschaft verändern", sagt die Sprecherin der Justizbehörde Marion Klabunde. "Wir möchten die Arbeitsstruktur, insbesondere für die Bediensteten, verbessern und Synergieeffekte nutzen, indem wir den Vollzug verdichten. Wir prüfen gerade verschiedene Möglichkeiten, wie uns das gelingen kann, unter anderem den Ausbau der Kooperation mit Schleswig-Holstein."