Die Stadt, die der Welt die Beatles schenkte und Gunter Gabriel, in der Jan Delay seine ersten Reime schrieb und Pete Doherty sein Comeback plante – diese Stadt hat popmusikalisch abgewirtschaftet. Selbst mit fetten Finanzspritzen ist da leider nichts mehr zu machen. Sorry, aber: No future für Hamburg.

So sieht es die Initiative Musik, die 2007 von der Bundesregierung gegründet wurde, um den deutschen Pop-Nachwuchs zu stärken. Diesen Herbst verteilte sie eine halbe Million Euro an 36 Newcomer-Bands aus Deutschland – davon ist exakt eine aus Hamburg. In Ziffern: 1. Nur das Duo Sarah and Julian empfand die Jury unter den hanseatischen Bewerbern als förderungswürdig.

Weit besser ergeht es Bayern (3 geförderte Bands), NRW (7 Bands) und, natürlich, Berlin (18 Bands). Hamburg hingegen liegt in puncto popkultureller Zukunftsfähigkeit gleichauf mit Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Früher flohen junge Musiker aus Weltregionen wie Ostwestfalen-Lippe nach Hamburg (etwa Bernd Begemann, Frank Spilker, Bernadette La Hengst). Heute bleiben sie besser da. Die staatliche Popförderung meint es nicht gut mit der Stadt.

Schlimm? Ganz und gar nicht! Denn seit die Hamburger Swing-Jugend dem NS-Regime aus der Reihe tanzte, wird die nationale Sache hier ohnehin meist kritisch beäugt – von Slime (Deutschland muss sterben) bis Tocotronic (Aber hier leben, nein danke). Nena hatte selbst zum Höhepunkt des Kalten Krieges für die Staatsräson nur Spott übrig (99 Luftballons). Und eine Hip-Hop-Crew wie 187 Strassenbande würde Beamten vermutlich eher Schläge androhen, als sich von ihnen alimentieren zu lassen. (Und das Geld klauen.)

Sollen die Pop-Subventionen also ruhig nach Berlin. Dorthin, wo in den wilden Neunzigern angeblich die halbe Stadt auf Drogen war – und heute bloß noch auf Staatskohle ist.