DIE ZEIT: Herr Allofs, was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie vom Volkswagen-Skandal in den USA erfahren haben?

Klaus Allofs: Der erste Gedanke war: Das kann eigentlich nicht sein.

ZEIT: Wurden Sie vorab informiert?

Allofs: Nein.

ZEIT: Waren Sie sicher, dass dies keine Auswirkungen auf den VfL Wolfsburg haben würde?

Allofs: Ja, wobei das, was geschehen ist, uns alle sehr bewegt, sowohl im Verein als auch in der Stadt.

ZEIT: Ist der Skandal ein Thema bei Trainer und Mannschaft?

Allofs: Natürlich kann sich niemand, der in unserer Region lebt, diesem Thema entziehen. Dementsprechend sprechen wir intern auch darüber. Aber es darf auf unsere tägliche Arbeit keinen Einfluss haben – und das hat es bisher auch nicht.

ZEIT: Könnte es nicht sein, dass die Konsolidierung des Kerngeschäfts in Zukunft so im Vordergrund steht, dass ein – bei allem Respekt – kleines Beiboot wie der VfL ein wenig an Zuwendung verliert?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 40 vom 01.10.2015.

Allofs: Die strategische Bedeutung des VfL für Volkswagen ist von Zuwendungen unabhängig. Wenn man den gesamten Konzern betrachtet, ist das finanzielle Engagement in der Tat sehr gering. Der VfL ist umgekehrt für die Marke VW mehr wert als die tatsächlich investierte Summe. Ich glaube sogar, dass der VfL in einer solchen Situation für Volkswagen eine besondere Rolle einnehmen kann.

ZEIT: Erwarten Sie, dass, wenn im Konzern Einschnitte, gar der Abbau von Arbeitsplätzen drohen, die Debatte über explodierende Ablösesummen und unverhältnismäßig hohe Fußballergehälter wieder beginnt?

Allofs: Dieses, Verzeihung, populistische Gerede läuft ja bereits in den Talkshows. Davon halte ich nichts. Ein Konzern wie VW wird eine solch schwierige Situation verantwortungsvoll und vor allem selbstbewusst meistern. Die Probleme werden konsequent angegangen. Daraus jetzt eine Sozialneiddebatte abzuleiten ist wirklich nicht angebracht.

ZEIT: Wie oft müssen Sie sich eigentlich mit Francisco Javier Garcia Sanz absprechen, der im VW-Vorstand für den VfL zuständig ist?

Allofs: Ich spreche mindestens zweimal pro Woche nicht nur mit ihm, sondern auch mit den weiteren Mitgliedern des Aufsichtsrats aus dem Konzern. Dieser Austausch ist kein Zwang, sondern eine wichtige Basis für erfolgreiches Arbeiten.

ZEIT: Da scheint es ja viel Gesprächsstoff zu geben?

Allofs: Aber ja. Uns gehen die Themen nicht aus: von der Entwicklung der Mannschaft über strategische Dinge, die unsere Marke betreffen, bis hin zu einzelnen Entscheidungen über Spielertransfers, alles wird besprochen.

ZEIT: Nervt diese Abstimmung nicht ab und zu?

Allofs: Im Gegenteil, unsere Aufsichtsräte sind weltweit erfolgreiche Manager. Es ist ein großes Privileg, die eigenen Ideen mit branchenfremden, erfahrenen Topentscheidern zu erörtern, zu diskutieren und sich zu reiben. Ich hätte nie erwartet, dass sie die Zeit oder auch die Bereitschaft haben würden, sich immer wieder, oft sind es mehrere Stunden am Stück, mit dem VfL zu beschäftigen.

ZEIT: Haben Sie dabei in fußballerischen Fragen das letzte Wort?

Allofs: Ja, ganz sicher!

ZEIT: Ist das vertraglich geregelt?

Allofs: Ich habe mir das nicht explizit zusagen lassen, aber wir leben es so. Wir haben uns auf ein langfristiges Projekt verständigt. Ich würde auch selbst nie sagen: Ich habe das letzte Wort, sondern: Man vertraut meiner Expertise.