Von Alp zu Alp – ein Traum

Cremige Butter, frische Milch, Bergkäse – diese Genüsse ziehen Eberhard und Ruth Jirzik jeder Gipfelschau vor. Und so machen sie sich im Allgäu in Halbhöhenlage auf den Weg, zu rund hundert Alpen, wie die Almen hier heißen. Sie sonnen sich auf Terrassen mit Aussicht, hocken sich in niedrige Stuben, plaudern mit den Wirtsleuten, genießen gelegentlich auch die in den meist recht rustikalen Speisekarten notieren Zusatzangebote wie Alpen-Yoga. Ihr engagiert geschriebenes Wanderlesebuch mischt die notwendigen Routenhinweise geschickt mit Hintergrundwissen und persönlichen Erlebnissen unterwegs. Manchmal allerdings läse man gern weniger über die Autoren und mehr über die Älpler.

Eberhard und Ruth Jirzik: "Alpwandern in den Allgäuer Bergen". Biberacher Verlagsdruckerei, Biberach 2015; 400 S., 24,80 €

Vespa statt Harley

Eine PX-200-Vespa, die an guten Tagen über maximal 10 PS verfügt, ist auf den ersten Blick nicht das optimale Transportmittel für eine Reise quer durch die USA. Es sei denn, man hat so viel Zeit wie Michael Blumenstein, Dani Heyne und Lars Ringel. Die drei jungen Schrauber haben sich auf ihren ollen, aber natürlich bestens gepflegten Motorrollern auf den Weg gemacht, um ein Land zu erkunden, das langsam zu verschwinden droht: das alte Amerika der Motel-Leuchtreklamen, Jeanshemden und Hinterhofwerkstätten.

Für die rund 9.000 Kilometer von Los Angeles nach New York haben sie sich zwei Monate Zeit genommen. Außerdem mit dabei waren ein Fotograf und ein Service-Van als mobile Werkstatt, Fotostudio und Campingbus. Das Ergebnis der Reise ist ein liebevoll gestaltetes Logbuch mit humorvollen Streckenbeschreibungen und vielen originellen Fotos und kurzen, oft komischen Interviews am Straßenrand. So amüsieren die drei Deutschen sich königlich, als ein Quadfahrer sie allen Ernstes fragt, ob die Roller auch Allradantrieb haben. Höhepunkt der Reise war wohl die Fahrt auf den 4.301 Meter hohen Pikes Peak in den Rocky Mountains. Angeblich war einst selbst Ralleyprofi Walter Röhrl nur dreimal schneller! Die Tour kostet eine Vespa zwar einen Schaltkranz, aber kleinere Malheurs bringen einen erfahrenen Schrauber nicht aus dem Konzept. Die zahllosen Reparaturen gehören zu den Running Gags im Buch, das mit feiner Selbstironie den Harley-Macker-Modus dieses Unterfangens immer wieder unterläuft. Auch die einzelnen Koordinaten, Höhenmeter, Benzin- und Ölverbrauch sind exakt angegeben, für alle, die die Route nachfahren wollen.

Dani Heyne, Daniel Phakos: "Auf der Vespa durch die USA". Delius-Klasing Verlag, Bielefeld 2015; 271 S., 19,90 €

Mittendrin im Schatten

Orte, die das Pech hatten, nach 1961 im Schatten von Mauer und Todesstreifen zu liegen, wurden mit den Jahren zur Terra incognita, auch für die benachbarten Anwohner. Wer weiß schon vom Marschufendorf Konau oder einer Naturattraktion wie der Stixer Wanderdüne? Viele dieser kleinen Dörfer und Naturgebiete liegen bis heute im toten Winkel der Wahrnehmung. In seinem Buch Mitten in Deutschland stellt Rüdiger Dingemann sie seinen Lesern vor. Ihre Nachkriegsgeschichte verlief meist nach demselben Muster. In den frühen Jahren der DDR wurden die Grenzregionen schikaniert, später dann systematisch entvölkert. Die "Aktion Ungeziefer" war ein zynischer Deckname für die Vertreibung von Grenzbewohnern. Die Geschichte der Grenze, ihre Tragödien und Absurditäten macht Rüdiger Dingemann mit vielen Zeitzeugenberichten oder Dokumenten anschaulich – so hat die Schlacht von Gorleben nichts mit dem Atommüll-Endlager zu tun: 1966 kam es an der Elbe zu einer Konfrontation zwischen Panzern der Briten und Sowjets, DDR- und BRD-Schiffen. In solchen Passagen entreißt Rüdiger Dingemann viel dem Vergessen. Andere stopft er mit Geschichts- und Strukturdaten so voll, dass sie das Lesevergnügen mitunter ausbremsen.

Rüdiger Dingemann: "Mitten in Deutschland. Entdeckungen an der ehemaligen Grenze". National Geographic Malik Verlag, Hamburg 2014; 224 S., 29,99 €