Eine Straßenprostituierte in Köln geht zur Arbeit, wenn das Ordnungsamt das Tor zum Strich aufsperrt, jeden Mittag um zwölf. Bei den Sozialarbeitern holt sie sich die Kondome ab, dann setzt sie sich auf ihren angestammten Stuhl und wartet auf Freier. Kopuliert wird in einer Garagenbox, an deren Wand ein großer roter Alarmknopf prangt.

Eine Straßenprostituierte in Dortmund hingegen hat keinen festen Arbeitsplatz. Sie treibt sich in der Nordstadt herum, streift durch Parks, lehnt an Hauseingängen, auffällig genug, dass die Freier sie erkennen, unauffällig genug, dass die Taskforce Nordstadt nicht auf sie aufmerksam wird. Denn in Dortmund ist Straßenprostitution verboten, die ganze Stadt ist Sperrbezirk.

Wie gefährdet, wie geschützt Straßenprostituierte sind, hängt vor allem davon ab, wo sie ihrer Arbeit nachgehen. Denn wo und in welcher Form Prostitution erlaubt ist, darüber entscheiden allein die Kommunen.

Die Bundesregierung will nun Prostituierte besser schützen als bisher. Damit das auch jeder versteht, hat das Familienministerium die geplante Gesetzesreform vorsorglich schon mal in Prostituiertenschutzgesetz umbenannt. Einem Referentenentwurf zufolge müssen sich Prostituierte künftig anmelden und eine Gesundheitsberatung durchlaufen, auch die Kondompflicht steht in dem Papier.

Fragt sich nur, ob es auf die Wirklichkeit passt, auf die in Köln, Dortmund und anderswo.

Ein sonniger Vormittag in einem Kölner Industriegebiet. Kaum ist Monika Kleine, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), auf die Straße zum Strich abgebogen, folgt ihr ein dunkler Mercedes mit Münchner Kennzeichen. "Die Freier lauern schon darauf, dass es losgeht", sagt sie und lacht. Vor einem Eisentor steigt sie aus, guckt in Richtung Mercedes und schüttelt rigoros den Kopf. Der Mercedes setzt zurück. Kleine sperrt das Tor auf und marschiert aufs Gelände. Sie hat keine Zeit zu verlieren, um zwölf Uhr öffnet das Ordnungsamt den Strich, danach sind weibliche Besucher nicht mehr erlaubt.

Seit 13 Jahren kommen Frauen hierher, um anzuschaffen. Es sind vor allem Drogenabhängige, im Laufe eines Jahres etwa 300, die Geld brauchen für ihren nächsten Schuss oder den ihres Partners. Im rosafarbenen Container direkt hinter dem Eingang gibt es Kaffee; Sozialarbeiter verteilen sauberes Heroinbesteck und Kondome, die ersten drei sind kostenlos, mehr als zehn Stück am Tag bekommt niemand.