Die Frau saß vor ihrem Haus in Aserbaidschan, als die Fotografin Rena Effendi vorbeikam und fragte: "Was machen Sie gerade?" – "Nichts", antwortete die Frau, "ich warte einfach auf den Winter." Der Winter, der bald kommt – so oft wie in diesen Wochen war davon noch nie zu lesen. Vom Status einer Jahreszeit ist der Winter zur mitteleuropäischen Risikogröße geworden. Bedrohlich, unberechenbar. Bis er eintritt, muss noch einiges passieren. Ein paar Hundert Kilometer östlich von uns, in den Gegenden, die Rena Effendi immer wieder bereist, wird jetzt gesammelt, eingekocht, vorgesorgt.

Auf irritierende Weise wirkt dieses Foto der backenden Frau aktuell, auch wenn ihre Umgebung uns archaisch anschaut, fern und fremd. Licht fällt ein durch die Fensteröffnung im meterdicken Mauerwerk. Licht fällt auf die Bäckerin, auf ihr rotes Kopftuch, auf ihre routinierten Handgriffe, mit denen sie den auf einem feuchten Handtuch ausgerollten Teig bearbeitet. Konzentrierte Aufmerksamkeit liegt über der Szene. Ist der Ofen schon heiß genug?

Man könnte annehmen, Rena Effendi (1977 in Baku geboren, heute in Istanbul lebend) habe eher Malerei als Fotografie studiert – so altmeisterlich wirken ihre Bilder komponiert. So bewusst setzt sie Farbe, Licht und Schatten ein in ihren Arbeiten, die auf Reisen durch Aserbaidschan, die Karpaten oder auch in der Todeszone von Tschernobyl entstehen. 2014 hat Effendi zwei Auszeichnungen im World-Press-Fotowettbewerb der Kategorie Observed Portraits gewonnen; gefeiert wurde sie kürzlich auch von der New York Times.

Dieses Traumstück stammt aus einer Zehner-Edition der italienischen Onlinegalerie Ilex: Ein Abzug in der Größe 50 mal 50 Zentimeter kostet 3.500 Euro, 80 mal 80 Zentimeter 4.500 Euro (ilexphoto.com).