Das Auswärtige Amt warnt vor Überlandfahrten in Venezuela, beschränkt sich aber in seinen "Reise- und Sicherheitshinweisen" auf kaputte Straßen, Entführungen und bewaffnete Überfälle. Kein Wort über die Sache mit den CDs. Kürzlich habe ich 14 Stunden gebraucht, um vom Orinoco-Fluss bis nach Caracas zu fahren. Gegen gähnende Langeweile gibt es am Straßenrand Verkaufsstände für silbrige Rohlinge in vergilbenden Papierumschlägen, da habe ich angehalten. Und jetzt verschaffen Sie sich bitte mal einen Eindruck meiner Verzweiflung. Im Angebot: "Rancheras de Platin", also singende Platin-Rancher, die hintenrum schlohweiße Resthaare haben und vorn tiefschwarz gefärbte Schnurrbärte. Auf dem Cover von Salsa Vieja 2 trägt der Leadsänger denselben Look, nur dass schräg vor ihn noch eine brünette Schönheit geklebt wurde, deren Brüste den gleichen Umfang haben wie seine blanke Stirn. 30 de la Salsa enthält Salsa-Musik, so viel ist klar, aber den Rest der Verpackung kann man unmöglich entschlüsseln: eine rothaarige Disney-Prinzessin (klein), eine schlanke Frau in extraschlanker Unterwäsche (groß), zwei Strahlemänner mit aufgedunsenen bleichen Wangen (mittelgroß) und 14 Männer in Apothekermänteln, die sich in den Schritt greifen. Ich lasse die anderen Cover mit dem Lionel-Ritchie-Double jetzt weg. Entführungen sind eine schlimme Sache, aber von den Reisewarnern des Auswärtigen Amtes wäre ich gern vor der rollenden Salsa-Hölle Venezuelas bewahrt worden.