Erinnert sich noch jemand an den Aufstand gegen die Busbeschleunigung? An die Papenhuder Straße auf der Uhlenhorst, die Parkplatzsorgen der Hutverkäuferin und die Versammlung der empörten Bürger in der St.-Gertrud-Kirche? An die Bäume, die angeblich gefällt, und die Parkplätze, die tatsächlich beseitigt werden sollten?

Ein Jahr ist es her, dass dieser Streit ausbrach, im Wahlkampf gewann er für kurze Zeit politische Bedeutung weit über den wenige Hundert Meter langen Straßenzug auf der Uhlenhorst hinaus. Nun geht er im Aufmerksamkeitsschatten der Flüchtlingskrise zu Ende, so unversöhnlich und giftig, wie er die ganze Zeit geführt worden ist.

Worum ging es doch gleich? Es ging um 35 Parkplätze, die verloren gehen, wenn an den Rändern der schmalen Straße auf der Uhlenhorst Fahrradstreifen eingerichtet werden. Wo Autos derzeit noch quer zur Fahrtrichtung abgestellt werden, sollen sie in Zukunft parallel zur Straße parken. Außerdem hatten Anwohner Bäume mit Trauerflor behängt, weil sie angeblich gefällt werden sollten.

Und jetzt, nach Bürgerbegehren, Friedensverhandlungen, Planungsworkshops? SPD und Grüne, die Mehrheitsparteien im Bezirk Nord, haben ihre Schlüsse aus dem Beteiligungsverfahren gezogen. Die Bäume werden nicht gefällt, weil sie nie gefällt werden sollten. Es kommen womöglich sogar welche hinzu. Die alten Parkplätze werden durch neue in Nebenstraßen ersetzt, allerdings nicht vollständig: Ungefähr 15 Stellplätze dürften am Ende verloren gehen. Auch das ist keine echte Neuerung, nur eine Ergänzung der ursprünglichen Planung durch den Bezirk, der nicht für die Busbeschleunigung, aber für den Straßenraum abseits der Hauptstraßen zuständig ist.

Eine letzte Entscheidung wollen die Bezirkspolitiker den Anwohnern überlassen: Was ihnen wichtiger sei, Parkplätze oder zusätzliche Bäume? Bei Redaktionsschluss stand das Ergebnis der Bürgerbeteiligung in dieser Frage noch nicht fest.

Ist nun also fast alles gut? Ach was! Die Uhlenhorster Busbeschleunigungsgegner haben eigene Vorstellungen: Sie wünschen sich Tempo 30 – allerdings nur in ihrem kurzen Abschnitt des Straßenzugs. Vor den eigenen Häusern, so sehen sie es, könnte eine Geschwindigkeitsbegrenzung die Fahrradstreifen entbehrlich und weitere Parkplätze möglich machen. Hundert Meter weiter sollten aus ihrer Sicht dann wieder andere Regeln gelten. Dort, so formuliert es einer ihrer Mitstreiter, "sollte den rot-grünen Tempo-30-Ideologen Einhalt geboten werden".

Das könnte man für maßlos egoistisch halten. Richtig ist aber auch, dass Anwohner der Papenhuder Straße im Rahmen einer "Bürgerbeteiligung" viel Zeit und Energie in Planungsworkshops gesteckt haben – nur um am Ende zu erfahren, dass deren Geschäftsgrundlage entfallen war: Anders als ihre Partner von SPD und Grünen aus der Bezirksversammlung es ihnen signalisiert hatten, ist das Land Hamburg nicht bereit, Tempo 30 auf dem umstrittenen Streckenabschnitt zu akzeptieren. Dass in "Kampfradler-Foren" mittlerweile Stimmung gegen die "Uhlenhonks" gemacht werde, wie deren Internetseite indigniert bemerkt, trug zur Entspannung wenig bei.

Wahrscheinlich war es nie eine gute Idee, Anwohner mit entscheiden zu lassen, welche Verkehrsteilnehmer unter welchen Bedingungen die Straßen und Wege zwischen ihren Häusern nutzen dürfen. Ebenso absurd ist aber eine "Bürgerbeteiligung", deren Teilnehmer am Ende kaum etwas zu entscheiden haben. Im Fall der Uhlenhorst hatten SPD und Grüne in Wahlkampfzeiten den Konflikt mit dem Protestbürgertum durch das Versprechen einer künftigen Beteiligung entschärft. Im Rückblick, acht Monate nach der Wahl, ist dies Versprechen von einem taktischen Manöver kaum zu unterscheiden.