Foodtrucks sind ein fester Bestandteil urbaner Verpflegungskultur. Falls Sie Foodtrucks wider Erwarten nicht kennen: Das sind diese kleinen Lastwagen, aus denen heraus Lebensmittel verteilt werden. Nähert sich ein Foodtruck einem zentralen Platz, bildet sich umgehend eine Traube von Menschen um ihn herum.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 41 vom 08.10.2015.

Handelt es sich dabei um einen weißen Lastwagen mit der Aufschrift UN, befinden Sie sich in einem Krisengebiet. Ist der Lastwagen bunt, und steht irgendwas mit Asia Street Kitchen oder so drauf, können Sie beruhigt sein. Das ist dann ein echter Foodtruck, der lediglich ein Sinnkrisengebiet ansteuert. Wahrscheinlich handelt es sich um ein gentrifiziertes Viertel von Hamburg oder Berlin, dessen Bewohner versuchen, ihre first world problems durch neue Konsumformen zu lösen.

Ortsfremden Besuchern wird empfohlen, die Interaktionen mit der lokalen Kundschaft auf ein Minimum zu beschränken. Der Vergleich von Foodtrucks mit Imbissbuden wird von der Bevölkerung oft als Beleidigung ihres Lebensstils aufgefasst und stößt auf Unverständnis. Vermeiden Sie jede Kritik, wonach Autos zu viel öffentlicher Raum zur Verfügung gestellt wird – Foodtrucks sind von diesem Vorwurf nämlich grundsätzlich ausgenommen. Konflikte lassen sich durch den Hinweis entschärfen, dass Sie noch nie in Ihrem Leben etwas Köstlicheres gegessen haben als hier und jetzt und an diesem Foodtruck. Lügen Sie notfalls, um nicht Opfer von Gewalt zu werden.

Vergessen Sie nie, dass die Foodtruck-Kultur eine richtungsweisende gesellschaftliche Funktion übernimmt. Sie nimmt die demografische Entwicklung vorweg und begeistert Menschen für eine Form der Verpflegung, die sich als "Essen auf Rädern" bislang nie durchsetzen konnte.