Schlafen auf dem Boden kalter Baumarkthallen, kaum Waschmöglichkeiten, von Betreuung ganz zu schweigen: Die Situation für Flüchtlinge, die nach Hamburg kommen, wird schlechter. Mehrmals wurden in der vergangenen Woche Asylbewerber von der Registrierungsstelle in Harburg in Unterkünfte gebracht, in denen es an einer grundlegenden sanitären Ausstattung fehlte.

In Eidelstedt wurden am Wochenende rund 200 Flüchtlinge in einem ehemaligen Praktiker-Baumarkt untergebracht. Nach dem Transfer waren sie offenbar die gesamte Nacht vollkommen auf sich gestellt. Zaklin Nastic, Abgeordnete der Linkspartei in Eimsbüttel, berichtet, Bundeswehrsoldaten hätten die Halle notdürftig hergerichtet. "Die zogen aber um 20 Uhr ab, danach waren die Flüchtlinge allein." Anschließend seien lediglich einige Feuerwehrmänner zum Brandschutz da gewesen. Dutzende Freiwillige organisierten daraufhin kurzfristig Verpflegung und richteten am nächsten Tag eine kleine Kleiderkammer ein. An der verheerenden anfänglichen Lage habe das aber nicht viel geändert, sagt Nastic. "Es gibt in diesem Baumarkt keine Duschen, viel zu wenige Toiletten für zu viele Leute, und es wurde nicht einmal sauber gemacht, bevor die Flüchtlinge kamen."

Ähnlich war es einige Tage zuvor in Bergedorf. Aktivisten aus der Messehalle kritisierten, die Flüchtlinge seien völlig unvermittelt in den dortigen Baumarkt gebracht worden. Auch in Bergedorf waren zunächst wohl hygienische Standards nicht erfüllt: Dort protestierten Flüchtlinge mit einem Hungerstreik gegen die ihrer Meinung nach unwürdigen Bedingungen der Unterbringung. Sie waren offenbar dem Gerücht aufgesessen, aus den Messehallen in Container oder richtige Wohnungen vermittelt zu werden. Nach einigen Tagen zogen sie dann doch widerwillig in den Baumarkt ein. Kurz darauf kam es zu Massenschlägereien, die von Dutzenden Polizisten aufgelöst werden mussten. Der Bezirk räumte im Nachhinein Fehler in der Organisation ein. Leitende Mitarbeiter von fördern & wohnen kritisierten in einem Brandbrief an die Stadt, durch die mangelhafte Unterbringung der Flüchtlinge drohe "Ghettoisierung".

Den Vorwurf, dass elementare Standards der Unterbringung zum Teil nicht mehr eingehalten werden, bestreitet die Innenbehörde nicht. Die aktuelle Situation lasse zurzeit nichts anderes zu. "Es stimmt, dass wir nicht mehr in der Lage sind, Flüchtlinge rund um die Uhr vollständig zu betreuen", sagt Björn Domroese, Sprecher der Innenbehörde. Auch dass es in Sachen Hygiene Probleme gebe, könne er nicht leugnen. "Es liegt ja nicht am Willen", sagt Domroese. "Aber es gibt schlicht nicht mehr genügend WCs oder Duschcontainer." Ziel des Senats sei es erst einmal, Obdachlosigkeit zu verhindern.

Die Situation wird wohl auch weiterhin angespannt bleiben. Am Wochenende konnten die Behörden kurzfristig gut tausend neue Plätze in dem ehemaligen Baumarkt in Eidelstedt und in einem Bürogebäude in Hamm schaffen. Aber dieser neue Raum sei in wenigen Tagen wieder voll, wenn weiterhin 400 bis 500 Flüchtlinge täglich in Hamburg ankämen, heißt es aus den Behörden.

Chaotisch verläuft auch die Verteilung der Flüchtlinge auf die Bundesländer. Vergangene Woche mussten in Harburg 500 Asylbewerber im Freien schlafen, weil alle Unterkünfte voll waren. Viele Betroffene berichteten, sie seien aus anderen Städten nach Hamburg geschickt worden, weil es hier angeblich bessere Unterkünfte gebe. In der Behörde möchte man sich dazu nicht äußern. Dass hiesige Verantwortliche über solche Anweisungen nicht glücklich sind, dürfte aber klar sein.

Die Verteilung von Flüchtlingen regelt das sogenannte Easy-System. Dieses Programm verarbeitet die Registrierungen minutenaktuell. Kommen morgens viele Flüchtlinge in Dortmund an, werden sie von dort etwa nach Hamburg weitergeschickt. Erreichen abends viele andere Asylbewerber Hamburg, kann es sein, dass die Stadt sie wiederum nach Dortmund schickt. Sinnvoll ist das oft nicht. Aber immerhin: Dass dieselben Flüchtlinge zwischen zwei Städten hin- und hergeschickt werden, ist ausgeschlossen.