Alle reden jetzt über Flüchtlinge. Zu Recht, es gibt so viele Fragen. Ob es genug Betten gibt. Ob es zu viele Hilfesuchende sind. Was das alles kostet. Auch Olympia ist immer eine Schlagzeile wert, jede neue Million, die die Spiele kosten sollen, wird laut diskutiert. Ist ja immer aufregend, wenn es um Geld geht. So auch in diesen Nachrichten der vergangenen Tage: Die HHLA modernisiert für 100 Millionen Euro ihr Containerterminal. Der Senat genehmigt 72 Millionen für den U-Bahn-Ausbau. Der Bund der Steuerzahler prangert an, dass die Stadtverwaltung 17 Millionen Euro für ein neues Computerprogramm verschwendet.

Nur von einem Thema ist kaum die Rede, es steht verdruckst auf den hinteren Seiten der Zeitungen – dabei wird es die Hamburger Summen kosten, gegen die sich alle anderen als Peanuts erweisen: die HSH Nordbank. Warum interessiert das trotzdem keinen?

Vielleicht sind die Beträge, um die es geht, einfach zu gigantisch, um sie noch zu begreifen. Um die Dimensionen überhaupt greifbar zu machen, haben wir für diese Seite Kosten von zehn Milliarden Euro zugrunde gelegt. In Ziffern: 10.000.000.000.

Das ist aus jetziger Sicht nicht unwahrscheinlich: Die Zahl liegt in der Mitte der vielen Spekulationen, die derzeit um die Landesbank kursieren: Ein geheimes Gutachten der Beratungsfirma Bain & Company schlug im April vor, dass die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein der Bank faule Kredite im Wert von drei bis 14 Milliarden Euro abkaufen, um sie zu stabilisieren. Inzwischen erzählt man sich in Brüssel, dass bereits 18 Milliarden "geboten" wurden – und das zu wenig gewesen sei. Am Wochenende sagte der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, dass die Bank die Steuerzahler wohl 20 Milliarden kosten werde, ganz egal, ob man sie rette oder schließe. Die Hälfte davon müsste Hamburg begleichen.

Zehn Milliarden sind auch die Summe, für die die Länder schon mit ihrer Garantie geradestehen: Sie gaben sie 2009, als die Bank zum ersten Mal gerettet werden musste. Drei Milliarden Euro steckten Hamburg und Schleswig-Holstein in ihr Landesinstitut. Steuergeld. Geholfen hat es wenig. Die HSH steht erneut am Abgrund.

Ob und wie die Bank langfristig überleben kann, darüber soll die EU-Kommission in diesen Tagen entscheiden. Als wahrscheinliche Lösung gilt, dass die Länder der Bank einen Teil der faulen Kredite abkaufen. Derzeit stehen ausfallgefährdete Kredite im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro in der Bilanz der HSH. Das heißt aber nicht, dass die Länder all diese Kredite kaufen und auch so viel Geld dafür zahlen werden. Weil die faulen Papiere kaum noch etwas wert sind, muss ihr Preis neu verhandelt und mit der Garantie verrechnet werden. Was dabei herauskommt? Ungewiss.

Geht man als vorsichtiger Kaufmann vom Schlimmsten aus, also von Kubickis 20-Milliarden-Horrorschätzung, dann könnte allein Hamburgs Anteil tatsächlich bei zehn Milliarden liegen.

Was man damit alles machen könnte, sehen Sie auf dieser Seite. Ob die Stadt angesichts der Flüchtlingszahlen und möglicher Milliardenkosten für die Olympischen Spiele all das stemmen kann, ist eine andere Frage.