Auch wenn es wehtut, muss die Debatte um Studiengebühren jetzt erneut geführt werden. Aus einem simplen Grund: Unsere Universitäten und Fachhochschulen brauchen mehr Geld – und der Staat muss sparen.

Heute: Das Geld ist knapp

Durch die Exzellenzinitiative geben sich viele dem Trugbild hin, dass die Hochschulen gut bei Kasse seien. Doch die zusätzlichen Milliarden, die Bund und Länder den Universitäten spendiert haben, sind ausschließlich in die Spitzenforschung geflossen. Den Studenten – etwa durch mehr Lehrangebote – kommt das Geld nicht zugute. Auch der "Hochschulpakt", ebenfalls von Bund und Ländern finanziert, um die hohen Studentenzahlen abzupuffern, erleichtert die Hochschulen nur kurze Zeit, weil das Geld befristet gezahlt wird. "Die Hochschulen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand", sagt Horst Hippler. Der Physiker und Chemiker ist Sprecher der deutschen Hochschulrektoren.

Man könnte das als Klage eines Lobbyisten abtun, hätte er nicht die Fakten auf seiner Seite. Sie belegen, dass die Expansion der Hochschulbildung in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland als Discountmodell betrieben wurde – es gibt sehr viel mehr Studenten, aber nur wenig mehr Hochschullehrer. Mit Beginn der siebziger Jahre wurden die Tore der Universitäten und Fachhochschulen weit geöffnet, zunächst in Westdeutschland, nach der Wiedervereinigung dann in Gesamtdeutschland: Zählte man in der Bundesrepublik Anfang der siebziger Jahre nur rund eine halbe Million Studenten, sind es heute mehr als zweieinhalb Millionen, also rund fünfmal so viel. Das Lehrpersonal aber wurde nicht in gleichem Maße aufgestockt. Betreute damals ein Professor im Durchschnitt 30 Studenten, so betreut er heute, wenn man das noch Betreuung nennen darf, rund 60 Studenten. Darunter leidet vor allem das Stiefkind der Hochschulen: die Lehre. "Vieles, was das Studium erleichtert, wie etwa zusätzliche Tutorien und Beratungsangebote, ist einfach nicht machbar", sagt Hippler.

Verlässlich ist für die Hochschulen nur die Grundfinanzierung, also das Geld, das kontinuierlich fließt und von dem die Qualität der Lehre entscheidend abhängt. Hier hat sich in den vergangenen Jahren so gut wie nichts getan. Zu rund 80 Prozent bringen die Bundesländer diese Grundfinanzierung auf, und in der Zukunft droht weiteres Ungemach.

Morgen: Das Geld wird noch knapper

Denn in den Ländern wird im Jahr 2020 die sogenannte Schuldenbremse gezogen. Von da an dürfen die Länder nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen, müssen also jeden Cent zweimal umdrehen. Diese Schuldenbremse ist keine lockere Absichtserklärung: Sie wurde 2009 im Grundgesetz verankert, um die Staatsverschuldung zu begrenzen.

Wenn man sehr, sehr optimistisch ist, darf man hoffen, dass die Bundesländer auch nach 2020 nicht weniger Geld für Hochschulen ausgeben als heute. Dass die Hochschuletats aber auf Kosten der Sozialhilfe, des Straßenbaus oder der Polizei erhöht werden – von den Folgen des Flüchtlingsansturms ganz zu schweigen –, mutet utopisch an.

Studiengebühren: Die gerechte Lösung

Wer den Hochschulen das dringend nötige zusätzliche Geld verschaffen will, muss also neue Quellen anzapfen. Er kann die Allgemeinheit durch zusätzliche Steuern belasten – oder er bittet gezielt die Nutznießer des Studiums zur Kasse: die Studenten, die später als Ingenieure, Ärzte, Lehrer, Richter oder Manager gutes Geld verdienen werden.

In der Welt der weniger Privilegierten ist das gang und gäbe. Ein Elektriker etwa, der Meister werden will, muss 9.000 Euro für seine Ausbildung zahlen. Eine Ärztin aber, deren Ausbildung die Steuerzahler mehr als 150.000 Euro kostet, beteiligt sich mit keinem Cent daran. Eine Ungerechtigkeit, die schwer zu ertragen ist.