DIE ZEIT: Mister Densmore, nach dem Tod des Sängers Jim Morrison nahmen die Doors noch zwei Alben auf. Ihre Kollegen Ray Manzarek und Robby Krieger versuchten sich als Sänger. Diese Platten waren lange schwer erhältlich und wurden erst jetzt neu aufgelegt. Wollten Sie an diese Aufnahmen lange nicht erinnert werden?

John Densmore: Es war eine merkwürdige Zeit nach Jims Tod. Wir drei waren im Studio und probten für unser nächstes Album, als wir von der Tragödie erfuhren. An dem Tag spielten wir einfach weiter, als wenn das nur ein finsterer Scherz von Jim gewesen wäre. Auch später war es die Musik, die uns half, die Fassung zu bewahren. Unsere musikalische Kommunikation war nach so vielen Jahren tief greifend. Wir wollten sie nicht einfach aufgeben.

ZEIT: Haben Sie nie daran gedacht, die Doors mit einem anderen Sänger fortzuführen?

Densmore: Unmittelbar nach seinem Tod, ja! Wir haben sogar ein paar Kandidaten vorsingen lassen. Aber wir konnten uns für keinen begeistern, was rückblickend ein Glück war. Denn mir wurde klar, dass wir ohne Jim Morrison eben nicht die Doors sind. Ich habe mich darüber mit Ray gestritten. Ich sagte: Wenn wir einen neuen Sänger anstellen, muss ein neuer Name her. Ray wollte weitermachen, als sei nichts geschehen. Er war wie Jim ein sehr starker Charakter. Also machten wir weiter.

ZEIT: Es wurde noch schwieriger, als Ihre Kollegen beschlossen, Doors-Songs als Werbemelodien nutzen zu lassen, und Sie dagegen vorgingen.

Densmore: Es war eine fürchterliche Zeit, über die ich das Buch The Doors Unhinged geschrieben habe. Ich schickte Robby und Ray das letzte Kapitel, es heißt Das Gier-Gen, mit einer Notiz: "Ich weiß, das Buch wird sehr unangenehm für euch sein, aber ich wollte sichergehen, dass ihr auch dieses Kapitel lest, denn da sage ich, dass ich euch liebe, trotz allem, was vorgefallen ist. Immerhin haben wir damals in einer Garage Magisches geschaffen." Als es Ray am Ende richtig schlecht ging, rief ich ihn an und war froh, dass er meinen Anruf überhaupt annahm. Wir führten ein versöhnliches Gespräch, das mir guttat.

ZEIT: Bei den Doors hatten alle Mitglieder ein Vetorecht. Sie nutzten das regelmäßig. Erinnern Sie sich an das erste Mal?

Densmore: Dieses Vetorecht wurde festgelegt, als wir die Doors gründeten. Bevor ich davon Gebrauch machte, war es Jim, der das erste Mal Einspruch einlegte, als unser Song Light My Fire für einen TV-Werbespot in Come On Buick, Light My Fire umgedichtet worden war. Wir hatten das ohne ihn beschlossen, als Jim gerade verreist war. Er flippte aus, als er zurückkam. Er wollte sogar einen Fernsehclip drehen, in dem er mit einem Vorschlaghammer einen Buick zertrümmert. Dabei war sein Urheberanteil an Light My Fire eher gering. Jims heftige Reaktion stand eher dafür, dass er sein Ideal von unserer Musik um jeden Preis schützen wollte. Jim ist nicht mehr bei uns, aber wenn ich meine Haltung davon ableite, wie Jim zu Lebzeiten entschieden hat, kann ich sicher sein, stets in seinem Sinne gehandelt zu haben. So wurde ich zu "Mr. Veto".