DIE ZEIT: Herr Hörmann, viele fragen sich, wie die Stadt die Flüchtlingskrise bewältigen kann. Jetzt soll Olympia dazukommen, mit 7,4 Milliarden Euro Kosten für die Steuerzahler. Ist das nicht zu viel?

Alfons Hörmann: Der Bürgermeister hat klargemacht, was Hamburg aus seinem Haushalt bezahlen kann. Jeder, der Olaf Scholz kennt, hat das gute Gefühl, dass er die Dinge solide und mit absoluter Transparenz angeht. Das hat den Nachteil, dass erst mal solche Summen auf den Tisch kommen. Aber es hat auch den klaren Vorteil, dass die Bürger von Anfang an wissen: Das ist es dann auch.

ZEIT: 1,2 Milliarden Euro kann Hamburg zahlen, sagt der Bürgermeister. Viel Geld für eine hoch verschuldete Stadt.

Hörmann: Wer die Stadt weiterentwickeln will, kann doch nicht nur auf das derzeitige Krisenszenario blicken. Die Flüchtlingsbewegung beschäftigt uns alle im Moment stark. Aber vor einem halben Jahr hatten wir die Griechenlandkrise. In einiger Zeit wird es andere große Herausforderungen geben, das ist nun mal das Auf und Ab des Lebens. Was wir jetzt für die Bewerbung konzipieren, ist ein Projekt für das kommende Jahrhundert der Stadt.

ZEIT: Zur Flüchtlingskrise kommt die milliardenschwere Rettung der HSH Nordbank – alles jetzt, wenige Wochen vor dem Referendum zu Olympia am 29. November. Machen Sie sich Sorgen?

Hörmann: Wir haben in den nächsten sechs Wochen damit sicherlich einen erhöhten Aufklärungsbedarf. Wir müssen den gefühlten Widerspruch auflösen zwischen der aktuellen Krise und den großen Zukunftsfragen. Das ist ja in Wirklichkeit kein Widerspruch. Wir brauchen doch Wachstum, um die Flüchtlinge so in unsere Gesellschaft zu integrieren, dass alle profitieren. Das passt zusammen. Hamburg ist ja nicht von uns verpflichtet worden, sondern hat sich aktiv beworben.

ZEIT: Aber brauchen wir auch neue Stadien und Sporthallen?

Hörmann: Klipp und klar: Ja! Wo findet denn mehr gelebte Integration statt als in Stadien und auf Sportplätzen? Werfen Sie einen Ball in eine Turnhalle, wo viele Menschen auf engstem Raum untergebracht sind – und der Sport wird in wenigen Minuten die Szenerie dort verändern. Außerdem gibt es für jede Sportanlage, die Hamburg bauen will, ein klares Nachnutzungskonzept.

ZEIT: Warum wehrt sich der Sport dagegen, dass Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht werden?

Hörmann: Der Sport hilft doch längst, wo er kann. Wir stellen Sportstätten zur Verfügung, wenn wirklich keine anderen kurzfristigen Lösungen in Sicht sind. Aber mittel- bis langfristig sind Turnhallen keine menschenwürdige Unterbringungsmöglichkeit. Und der Sport braucht sie, um die Menschen integrieren zu können.

ZEIT: Sie sagten vor wenigen Tagen, das Thema Flüchtlinge komme zur Unzeit. Kommt nicht eher die Olympiabewerbung zur Unzeit?

Hörmann:Olaf Scholz mit seinem Senat könnte sie morgen beenden, wenn er zur Einsicht käme, das Projekt Olympia mache keinen Sinn für Hamburg, weil jetzt anderes zu tun ist. Aber die Liebe und Leidenschaft der Stadtverantwortlichen zeigt, dass sie fest davon überzeugt sind, dass Olympische und Paralympische Spiele gut sind für Hamburg und die gesamte Region.