Steckt der Schut hinter alldem? Ist der Schut der Strippenzieher im Hintergrund, ist der Schut der Herr der Balkanroute, über die seit Jahrhunderten der Strom der Waren und Menschen zieht? Ist der Schut der Herr des Opiums aus Afghanistan und der Menschenmärkte im Kosovo? Residiert der Schut bisweilen in Belgrad? Wo man vor vielen Jahren, mit der Unterstützung Titos, der seine Jacht zur Verfügung stellte, einen deutschen Film frei nach Karl Mays Der Schut drehte, in dem Lex Barker als Kara Ben Nemsi den Schut bekämpft.

Als ich nachts endlich auf dem Keleti-Bahnhof in Budapest ankomme, bin ich enttäuscht. Keine Flüchtlinge, nirgends! Vor dem nächtlichen Bahnhof ist wenig los, ein paar Touristen, einige junge Leute, die sich dort treffen, vereinzelte Polizeibeamte patrouillieren über den großen Bahnhofsplatz mitten in der schönen Stadt. Bin ich vielleicht auf dem falschen Bahnhof, Budapest hat ja, soweit ich mich erinnere, drei große Bahnhöfe. In den Neunzigern war ich ein paar Mal in der schönen Stadt, dem Paris des Ostens, wobei Budapest ja doch recht südlich liegt, bis in die südslawische Metropole Belgrad sind es nicht mal 400 Kilometer! Da ich kein iPhone habe, ist das alles nicht zu prüfen auf meiner Reise.

Aber wo sind die Flüchtlinge? Als ich kürzlich in Zagreb war und zuvor an der slowenisch-kroatischen Grenze, fiel mir nichts, aber auch gar nichts auf, obwohl die Bilder aus Kroatien in allen Nachrichten waren. Nur die Taxifahrer in Zagreb wussten Bescheid und erzählten immer neue Legenden. Goldene Nasen haben sie sich wohl auch verdient mit Touren zur Grenze.

Im Bahnhof Keleti warte ich auf meinen Nachtzug. Ich bevorzuge die Landroute. Leipzig–Budapest–Belgrad. Durch die schönen alten k. u. k. Städte kommt man, im Speisewagen werden Budweiser und Cognac serviert zu Palatschinken und Gulasch, oh, schönes Bahnreisen ... Ob das gewaltige Habsburgerreich auch so schnell zusammengebrochen wäre ohne WK 1? Müßige Fragen beim Müßiggang in der Mitropa.

Der Nachtzug nach Belgrad besteht nur aus drei Wagen, und irgendwo vor der ungarisch-serbischen Grenze werden wir umgeladen in einen Bus. Wir fahren durch dunkle Städte, an der Grenze dann werden zwei ... wie sagt man das korrekt ... arabisch aussehende Reisende zurückgeschickt. Langsam gehen sie zu den Grenzbäumen, nach Ungarn. Was wollten die in Serbien? Zurück zu ihrer Gruppe, ihrer Familie?

Von den Bussen wieder in einen serbischen Zug, der besteht nur aus zwei Wagen. Auf nach Beograd, in die weiße Stadt! Und da sind sie, die Flüchtlinge. Am Stadtrand von Belgrad, in der Nähe des Busbahnhofs sehe ich ihr großes Lager im Morgengrauen. Aber ich suche ja den Schut, suche Geschichte und Geschichten, sehe schon den Victor oben auf dem Kalemegdan, in der einen Hand das Schwert, auf der anderen die Taube. Die Deutschen haben Belgrad 1941 total zerstört. Im Jahr 1999 donnerten "deutsche Fliegerasse" (so damals die Bild) noch mal rein, saß der Schut am Ende auch in Berlin? In Novi Sad, in der schönen Vojvodina, war damals keine Brücke mehr intakt.

Gedenkt man heute irgendwo in D. der zivilen Opfer? Irgendwie hängt alles zusammen.

Schatten über der weißen Stadt. Bloß gut, dass am Wochenende Galopprennen stattfinden im Hippodrom Belgrad. Ich muss nur rausfinden, welche der Rennen der Schut manipuliert hat, dann werde ich reich! Ein Hoch auf die Völkerfreundschaft!