Er gehört zu jenen Unvollendeten, bei denen man sich fragt, was sie noch alles vollbracht hätten, wenn ihnen genug Zeit dafür geblieben wäre. Bei ihm, ganz sicher, wäre ein großes literarisches Werk entstanden. Doch dazu kam es leider nicht. Dabei hatte alles so gut begonnen: Der älteste Sohn eines Antiquitäten- und Kunsthändlers hatte früh die Wissenschaft für sich entdeckt, promovierte mit summa cum laude, strebte die Habilitierung und eine Uni-Laufbahn an. Doch irgendwann stellte sich heraus, dass es ihm dort womöglich zu eng werden würde. So schlug er sich lieber als freier Publizist und Übersetzer durch, korrespondierte mit den klügsten Köpfen seiner Zeit, unternahm Reisen in alle Himmelsrichtungen; dann wieder vergrub er sich in Bibliotheken und tüftelte an seinen komplexen Essays. Und fast en passant verfasste er, was ihm so leicht, elegant und traumwandlerisch sicher gelang – Prosa. Besonders die kurze Form lag ihm, wie man in seinen Kindheitserinnerungen nachlesen kann. Egal, an welcher Stelle man sie aufschlägt, immer wieder bleibt man an der Poesie von Sätzen hängen, Sätzen wie diesen: "... es war, als hätte ich noch eben Wind und Glocken hören können, wenn ich nur besser achtgegeben hätte." Besser achtzugeben hat er vermutlich auch in anderer Hinsicht versäumt, zu weltfremd, zu gutgläubig, am Ende wohl auch zu erschöpft – wer mag das heute beurteilen? Die Zeiten damals waren hart und brutal. Da, wo sein Weg zu Ende war, erinnern ein Gedenkstein und eine Skulptur an ihn. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 41:

Giovanni Battista Tiepolo (1696 bis 1770), war Maler des venezianischen Barocks. 1750 malte er die von Balthasar Neumann erbaute Residenz in Würzburg aus. Sein Deckenfresko im Treppenhaus gilt als absolutes Meisterwerk. Er starb in Madrid