Letzte Woche sang ich schon mit Marcel Duchamp das Loblied des "verrückten Schachspielers"; dieses unerschöpfliche Thema ruft nach Vertiefung, zumal wenn man die Aussage des Karl-May-Verlegers und Schachgroßmeisters Lothar Schmid "Wir Schachspieler sind ja alle etwas verrückt" im Ohr hat. Glücklicherweise fiel mir das Buch Damenopfer: Erstaunliche Geschichten aus der Welt des Schachs vom Mathematikprofessor und Schachspieler Christian Hesse (C. H. Beck Verlag) mit klaren Diagnosekriterien in die Hände. Laut Hesse (er wird doch nicht etwa auch ...?!) bist du schachverrückt, wenn:

— du jemanden anrempelst, j’adoube murmelst und nicht einmal Französisch sprichst;

— du ein Schachbuch zur Toilette mitnimmst und vergisst, auf die Toilette zu gehen (meine Frage: Gilt dies analog auch für ein Mathematikbuch?);

— du eine positive Zahl herausbekommst, falls du die Anzahl deiner Freunde/Freundinnen/Ehemänner/Ehefrauen von der Anzahl der Schachprogramme abziehst, die du je besessen hast;

— du erklärst, dass deine letzte Beziehung nicht funktioniert hat, weil ihr wie ungleichfarbige Läufer wart.

Zur Lösung der äußerst schwierigen Aufgabe Weiß zieht und gewinnt bitte ich Sie, den Buchtitel zu beachten und (ausnahmsweise) verrückt zu sein – nur so kann es gelingen. "Nur für Verrückte", schreibt schließlich Namensvetter Hermann Hesse im Steppenwolf.

Lösung aus Nr. 41:

Wie gewann Weiß am Zug überraschend den schwarzen Turm? Nach 1.Txc4+! Kxc4 (1…bxc4 2.Sc2+ nebst 3.Sxa1) 2.Sd2+ Kd4 besiegelte die "Gabel" des anderen Springers des Turmes Schicksal: 3.Sb3+ Ke3 4.Sxd5+ exd5 5.Sxa1 – tückische Kavallerie!