Das Café, in dem Thees Uhlmann seinen Milchkaffee trinkt, heißt Deathpresso. Das Logo des Cafés zeigt eine Tasse in Form eines lächelnden Totenkopfs. Bisschen morbid, aber lustig.

Wie passend!

Denn im Grunde verhält es sich mit dem erstem Roman des Sängers der Band Tomte, der dieser Tage erscheint, genauso.

Der Roman heißt Sophia, der Tod und ich und erzählt die Geschichte eines namenlosen Protagonisten um die 40, bei dem eines Tages der Tod vor der Tür steht, um ihn abzuholen. Der überraschte Klient versucht, mit dem Tod zu diskutieren, aber es hilft alles nichts, jetzt ist Sense – doch just in diesem Moment klingelt es an der Tür. Dort steht Sophia, die resolute Exfreundin des Helden. Sie will ihn abholen, um mit ihm zu seiner Mutter zu fahren. Der Tod, ein netter Kerl mit feinem Humor, ist verwirrt. Dass jemand beim Sterben stört, das gab’s noch nicht.

Und nun? Wenn er mal ehrlich ist, war es ihm ohnehin langsam zu blöd, die Leute immer nur an die Schwelle zum Jenseits zu bringen, vom Leben weiß er nichts. Also fahren sie zu dritt zu Mama, bleiben können sie dort aber nicht, denn der Erzähler möchte seinen siebenjährigen Sohn noch ein letztes Mal sehen. Der kleine Johnny wohnt in Süddeutschland bei seiner Mutter, einer äußerst ungenießbaren Millionärstochter, und so fahren der Erzähler, seine Mama und Sophia gemeinsam mit dem Herrn in Schwarz zu der reichen, blasierten Sippe in den Süden.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 42 vom 15.10.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Die saturierten Verwandten sind natürlich die Doofen in der Handlung, wohl ein Erbe der musikalischen Tradition, in der Thees Uhlmann lange seine Songtexte schrieb. Die Hamburger Schule war mit Formationen wie Tomte, Tocotronic und den Goldenen Zitronen eine der wichtigsten Strömungen in der Populärmusik der neunziger Jahre, in ihr vereinte sich sture Gesellschaftskritik mit zarter Innerlichkeit. Mittlerweile ist von den meisten Exponenten der Hamburger Schule keine Rede mehr, entweder sind sie aus dem Popgeschäft ausgeschieden oder sie haben sich versehentlich in die Mitte der Gesellschaft gerockt.

Hat die Popmusik ihren Biss verloren? "Früher war sie eine politische Ausdrucksform und ein Mittel des Protests, heute ist sie eher begleitend", sagt Thees Uhlmann. "Ich habe neulich ein Video bei Facebook gesehen, da hat Cro einen Mercedes angesprüht, und der Millionste oder so, der auf ›Like‹ klickte, bekam dann das Auto." Er schüttelt den Kopf. "Die Musiker von damals kamen aus dem Punk, die hätten erst dem Bengel eine gescheuert und dann das Auto angezündet!"

Auch die Band Blumfeld gehörte mal zu den großen Stars der Hamburger Schule, ihr Sänger Jochen Distelmeyer hat in diesem Jahr mit Otis seinen ersten Roman veröffentlicht.