Die Szene wirkt, als stamme sie aus einem Splatterfilm, sie ist aber ein authentischer Ausschnitt katholischer Realität. Es ist Mittagszeit, am Petersplatz in Rom gießt es in Strömen, Blitze schlagen in den Bernini-Kolonnaden ein, Donner hallt. Im Regen huscht ein völlig durchnässter europäischer Kardinal aus dem Vatikan, gerade noch hat er an den Beratungen der Bischofssynode mitgewirkt. Sein linkes Auge ist abenteuerlich angeschwollen, was den Prälaten zu einem Witz über die hitzige Atmosphäre in der Aula veranlasst.

Zwei Reporter haben den Mann umzingelt und unter Zutun des Platzregens unter einem Vordach gestellt. Nach einer Frage zu den unterschiedlichen Empfindlichkeiten auf der Synode sagt der Kardinal: "Der Dämon ist Wirklichkeit. Er ist eine Wirklichkeit, die uns gegeneinander ausspielt, uns zu Parteien werden lässt. Der Diavolo ist derjenige, der trennt, der Verwirrung stiftet." Wieder Blitz und Donner. Anlässlich einer richtungweisenden Bischofsversammlung, die eine neue Sprache sucht für die verständlichere Vermittlung des Evangeliums in der Welt, sind das recht deutliche Worte.

Wie sehr der Teufel auf dieser Bischofssynode mit im Spiel ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Fest steht, dass Verwirrung herrscht im Vatikan. Bald zwei Wochen sind vergangen, in denen 270 Bischöfe im engeren Sinn über Ehe und Familie, aber im weiteren Sinn über das Verhältnis der katholischen Kirche zur Welt beraten haben. Als Ergebnis können die Bischöfe eine umfassende Orientierungslosigkeit vorweisen, die je nach Auffassung als bereichernd oder als Hindernis angesehen wird.

Wütend zeigten sich zu Beginn der Versammlung 13 Kardinäle, die einen Brief an Papst Franziskus verfassten mit der Behauptung, die Synode drohe durch einen neuen, undurchsichtigen Arbeitsmodus manipuliert zu werden. Als der Brief zu Beginn dieser Woche vom Vatikanjournalisten des italienischen Magazins "L’Espresso" veröffentlicht wurde, empörte sich der deutsche Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller: "Das ist ein neues Vatileaks." Privatakten des Papstes gehörten dem Papst und sonst niemandem. Nicht mehr der Verdacht der Manipulation stand nun im Vordergrund, sondern die Veröffentlichung sensibler Dokumente wie zum Ende des Pontifikats Benedikt XVI. Gibt man Müller recht, dann sind die Zustände nach zweieinhalb Jahren Franziskus so wie zur vatikanischen Untergangsstimmung aus den Jahren 2011 bis 2012.

Die Unterzeichner des Briefes zählen zum konservativ-traditionalistischen Lager. Auf die Frage, ob auch er seine Unterschrift unter das Schreiben gesetzt habe, das eine bewusste Fehlleitung der Synode suggeriert, entgegnete Müller: "Ich sage nicht, ob ich unterschrieben habe." Während mehrere von L’Espresso genannte Prälaten ihre Unterschrift dementierten, bestätigte der erzkonservative Chef des Wirtschaftssekretariats, George Kardinal Pell, die Existenz des Schreibens. Auch Kurienpräfekt Robert Sarah und der Erzbischof von New York, Timothy Dolan, sollen zu den Unterzeichnern gehören. Sie wittern Manipulation.

Die neue Arbeitsmethode gebe den Beschlüssen der Synode zu viel Gewicht, heißt es in einer von L’Espresso veröffentlichten Version des Briefs; das Arbeitspapier sei als Grundlage ungeeignet und lehramtlich zweifelhaft; das Schlussdokument werde dem Plenum zu spät vorgelegt, um noch maßgebliche Änderungen vorzunehmen; die Mitglieder der Schlusskommission seien von oben nominiert und nicht gewählt; die Kritiker beziehen sich außerdem auf den "Kollaps der liberalen protestantischen Kirchen in der Moderne", der durch die Trennung von Lehramt und Seelsorge beschleunigt worden sei. "Eine gewisse Zahl von Synodenvätern fürchtet, dass der neue Prozess bei wichtigen und strittigen Fragen vorgefasste Ergebnisse erleichtert", heißt es in dem Brief.