DIE ZEIT: Herr Krüger, bei Ihrem ersten Auftritt als BMW-Chef bei der Automobil-Ausstellung IAA im September sind Sie vor den Augen der Weltöffentlichkeit auf offener Bühne umgekippt. Sie hatten einen Schwächeanfall. Wie geht es Ihnen heute?

Harald Krüger: Mir geht es wieder gut. Ich war in Frankfurt nach einigen Interkontinentalreisen nicht ganz fit und hätte gar nicht erst auftreten sollen.

ZEIT: Was ging Ihnen in der Erste-Hilfe-Station der Messe durch den Kopf?

Krüger: Das war natürlich nicht schön – live vor mehr als 300 Journalisten und laufenden Kameras. Aber ich war auch enttäuscht, dass ich das, was unser Team für die Pressekonferenz vorbereitet hatte, nicht zeigen konnte.

ZEIT: Wie ging es nach dem Aufenthalt in der Krankenstation weiter?

Krüger: Die Ärzte haben mir geraten, mich einige Tage daheim zu erholen – das habe ich dann gemacht. Was mich gefreut hat: Ich habe danach viel Zuspruch bekommen. Von Managern, die mir gesagt haben, dass ihnen das auch hätte passieren können oder tatsächlich schon passiert ist, nur nicht so öffentlich. Manager sind eben auch nur Menschen.

ZEIT: Haben Sie Konsequenzen gezogen?

Krüger: Ja, ich habe für mich gelernt, dass ich mich noch mehr auf die wichtigsten Themen fokussieren muss. Und ich achte verstärkt darauf, dass ich auch privat genügend Ausgleich habe.

ZEIT: Sie haben drei Kinder.

Krüger: Die haben mir gesagt: Pass besser auf dich auf!

ZEIT: Ist Loslassen im Alltag eines Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Konzerns überhaupt vorgesehen?

Krüger: Ja, das ist möglich – wenn man konsequent priorisiert.

ZEIT: Seit Sie wieder gesund sind, ist die Branche krank. Sie leidet unter dem Diesel-Syndrom. Volkswagen hat seine Dieselmotoren mithilfe einer Software manipuliert und auf diese Weise bei offiziellen Tests betrogen. Die Motoren blasen in Wirklichkeit weit mehr schädliche Stickoxide, kurz NOx, in die Luft als zulässig. Schließen Sie aus, dass demnächst auch ein BMW auffällt?

Krüger: Grundsätzlich gilt: Bei der BMW Group wird nicht manipuliert. Wir halten uns selbstverständlich in allen Ländern an die gesetzlichen Vorgaben und erfüllen die lokalen Testvorgaben. Ein Beispiel: Bei dem besagten Test der Umweltorganisation ICCT in den USA hat ein getesteter BMW die besten Werte erreicht – auch außerhalb des Prüflabors. Weitere Prüfstands- und Straßentests in Europa haben bestätigt, dass die BMW-Modelle gut abschneiden.

ZEIT: Gerade Sie müssten eine neue Diesel-Skepsis doch sehr schnell spüren. Noch sechs Tage vor der Montage im Werk kann man bei BMW die Motorisierung ändern. Wie viele Käufer wollen jetzt einen Benziner anstelle des bestellten Diesels?

Krüger: Natürlich haben unsere Kunden Fragen zur BMW-Dieseltechnologie gehabt. Aber ich habe mit unseren regionalen Vertriebsleitern telefoniert: Bislang ist noch keine Zurückhaltung bei den Dieselkäufen zu erkennen.

ZEIT: Wie wichtig ist der Diesel für BMW?

Krüger: Wir verkaufen in Europa rund 80 Prozent unserer BMW-Fahrzeuge mit Dieselmotor, in Deutschland sind es 73 Prozent und in den USA lediglich 6 Prozent.