Das Schlimmste ist vorbei. Nach mehr als eineinhalb Jahren wurde Ebola praktisch niedergerungen. In der vergangenen Woche meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO zum zweiten Mal in Folge keine neuen Fälle aus Sierra Leone, Liberia hatte schon im Mai die letzte Neuinfektion gemeldet. In Guinea erkrankten noch einmal zwei bereits infizierte Menschen an der Krankheit. Bis jetzt hat der größte Ebola-Ausbruch der Geschichte mehr als 11.300 Menschenleben gefordert, brachte eine ganze Region an den Rand des Chaos und hinterlässt in den drei am schlimmsten betroffenen Ländern die Gesundheitssysteme in Trümmern.

Weil aber die nächste Seuche kommen wird, ist für Fachleute heute eine Ebola-Manöverkritik so wichtig. Und die gute Nachricht lautet: Der Warnschuss hat Gehör gefunden.

WHO-Direktorin Margaret Chan, die in den zurückliegenden Monaten heftig für ihre Krisenpolitik einstecken musste, bestätigte in der vergangenen Woche bei einem Treffen von Seuchenexperten in Luxemburg, wie nötig eine Reform ihrer Behörde sei. "Die Welt ist auf eine globale Gesundheitskrise wie Ebola nicht vorbereitet", zitierte Chan eine Analyse aus dem Jahr 2009 – an diesem Zustand habe sich bis heute nicht viel geändert.

Eine Menge ist schiefgelaufen beim Kampf gegen Ebola. Drei Monate konnte das Virus wüten, bevor Guinea den Ausbruch erkannte und an die WHO meldete. Sierra Leone und Liberia stellten nach Wochen der Verzögerung fest, dass das Virus längst auch auf ihrem Territorium Opfer forderte. Dabei hätte sich die Epidemie am Anfang wohl noch mit einfachen Mitteln aufhalten lassen: mit Quarantäne und der Untersuchung aller Kontaktpersonen eines Erkrankten. Doch keines der Länder war in der Lage, eine schnelle Eingreiftruppe in den Dschungel des Dreiländerecks zu schicken. Und die WHO? Sagte, sie habe weder Mandat noch Mittel für eine solche Mission.

Das soll sich ändern. Chan will eine Truppe ("Global Health Emergency Workforce") aufbauen, die schnell und weltweit in den Einsatz geschickt werden kann. Eine Einheit zur Seuchenbekämpfung ("Weißhelmtruppe") aufzubauen wird auch in Europa erwogen, Deutschland treibt diesen Plan maßgeblich voran. Um sinnvoll handeln zu können, müsste sie in ein globales Netzwerk integriert sein – worauf derzeit wenig hindeutet.

Nichts ändern würde eine globale Gesundheitspolizei zudem an den Missständen, die Ebola maßgeblich bei der Verbreitung geholfen haben. Es ist vertrackt: Einerseits sind fragile Länder ohne intakte Gesundheitssysteme anfällig für Seuchen. Andererseits ist der Aufbau solcher Systeme in Staaten ohne entsprechende Infrastruktur etwa so praktikabel wie die Forderung nach Weltfrieden. Ein hehres Ziel, von dem niemand weiß, wie es erreicht werden kann.

Deshalb ist es realistisch, sich einstweilen darauf vorzubereiten, im Krisenfall von außen einzugreifen. Mangelnde internationale Kooperation gilt als weiterer Grund dafür, warum Ebola solche Verheerungen anrichten konnte. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte mussten die Vereinten Nationen 2014 eine eigene Mission für den Kampf gegen einen Krankheitsausbruch aufstellen, die UN Mission for Ebola Emergency Response (Unmeer). Sie wurde nötig, weil es Hilfsorganisationen, Behörden und staatlichen Institutionen nicht gelungen war, ihre Anstrengungen zu koordinieren – oder, wie es Helfer sagen, die selbst im Einsatz waren: auch nur miteinander zu reden.